Maschinenbau
Kommentar: ABB wagt einen Neuanfang

Für Überraschungen ist ABB in letzter Zeit immer gut gewesen, meistens für negative. Nach dem Zusammenschluss des schwedischen Asea-Konzerns mit der Schweizer BBC galt das Unternehmen lange Zeit als Muster eines modernen Elektrokonzerns, der es mit den Großen der Branche aufnehmen konnte. Doch der Lack blätterte schnell ab.

DÜSSELDORF. Hohe Schadensersatzforderungen aus dem Kraftwerksgeschäft in den USA – obwohl schon längst verkauft – und eine durch schwache Margen unzureichende Kapitaldecke verspielten das Vertrauen an den Börsen. ABB war gezwungen, in dieser Woche sogar seinen rentablen Finanzierungsbereich zu verkaufen, um die Schulden zu senken – der General-Electric-Konzern kann sich als Käufer über einen günstigen Einstieg auf dem nordeuropäischen Markt freuen.

Die Krise von ABB ist auch eine Krise des Wallenberg-Imperiums, zu dem ABB gehört. Alle bisherigen ABB-Chefs kamen aus diesem schwedischen Industrie-Imperium. Vorwürfe, dass sie mehr die Aufgabe hatten, den Einfluss der Schweden und deren Reichtum zu mehren, wollten nicht verstummen. Erst das Drängen des Schweizer Finanz- und Industriekapitäns Martin Ebner zwang ABB zu mehr Transparenz und Offenheit.

Seinem Einfluss dürfte die Installierung Jürgen Dormanns erst im Verwaltungsrat und jetzt als Konzernchef zuzuschreiben sein, obwohl Ebner inzwischen selbst Finanzprobleme hat. Ein Top-Manager vom Range Dormanns kann nur gut für ABB sein, um das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückzugewinnen. ABB konnte durch den Verkauf seiner Finanzsparte in dieser Woche zwar seine Schulden kräftig senken, für einen Neuanfang reicht das aber nicht. Ein neues Top-Management, das nicht vom Wallenberg-Clan kommt, ist das richtige Zeichen.

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