Matthias Esche
Deutsche Autoren schreiben weiter

Während in Hollywood die Drehbuchautoren streiken, ist die Welt in der Filmstadt München noch in Ordnung. Für Matthias Esche, den Chef der Bavaria Film, laufen die Geschäfte gut. Einen Streik der deutschen Autoren hält er für unvorstellbar.
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DÜSSELDORF. "Los Angeles spürt den Schmerz des Streiks“ titelte gestern das Branchenblatt "Hollywood Reporter“ über den seit Wochen tobenden Streik der Film- und Fernsehautoren. Denn Experten schätzen den Schaden bisher allein in der Filmmetropole Los Angeles auf 200 Mill. US-Dollar. Tendenz stark steigend.

In der Filmstadt München hingegen ist die Welt noch weitgehend in Ordnung. Matthias Esche, seit zwei Jahren an der Spitze des Film- und Fernsehproduzenten Bavaria Film, reibt sich in diesen Wochen verwundert die Augen. Denn ein Streik dieses Ausmaßes wäre für die Bavaria, ja für die deutsche Filmwirtschaft unvorstellbar. Denn hierzulande gibt es keine Gewerkschaft wie die Writers Guild of America, in der über 1 200 Autoren organisiert sind.

Bei der Bavaria, einem der größten Film- und Fernsehproduzenten, laufen die Geschäfte gut. Und die Drehbuchautoren schreiben nach wie vor fleißig für die Filmstadt Geiselgasteig im Süden von München. "Wir behandeln unsere Autoren so, dass wir keinen Streik befürchten müssen“, sagt Bavaria-Film-Geschäftsführer Esche. Derzeit wird gerade die siebte Staffel der Rosenheim-Cops abgedreht, der nächste Tatort "In eigener Sache“ wird in Szene gesetzt, Heinrich Breloer verfilmt den Thomas-Mann-Roman "Buddenbrooks“.

Esche, der zusammen mit Dieter Frank die Bavaria führt, ist für den kreativen Teil des Bavaria-Geschäfts zuständig. Am liebsten würde der 56-jährige Lübecker gerne große Hollywood-Produktionen nach Geiselgasteig locken. Doch dieses Vorhaben wird nun durch den Streik noch schwieriger in die Tat umzusetzen sein. "Ich fürchte, das verzögert sich durch den Arbeitskampf“, räumt Esche ein.

Bisher hat der Geschäftsführer ein gutes Fingerspitzengefühl bewiesen. Die Produktionen erzielen hohe Zuschauerquoten. So lockte zum Beispiel der Autobahn-Kriegsfilm "Erlkönig“ mehr als sechs Millionen Zuschauer ins ZDF -Programm und erntete viel Applaus in den Feuilletons.

"Wir sehen uns als Kulturproduzenten“, sagt Esche über das Selbstverständnis des bereits 1919 gegründeten Unternehmens. Eine hohe Rendite ist dabei nicht oberstes Ziel. Schließlich gehört die Filmfirma mit einem Umsatz von zuletzt knapp 268 Mill. Euro mehrheitlich der ARD.

Esche, zuvor Chef der Filmfirma Polyphon ("Traumschiff“) von Studio Hamburg, übernahm die Bavaria im Januar 2006 in schwieriger Zeit. Sein Vorgänger Thilo Kleine wurde wegen einer Schleichwerbungsaffäre entlassen. Das Unternehmen war damals zutiefst verunsichert. Doch die Skandalzeit ist passé. Esche hat der Bavaria nun wieder Selbstvertrauen verliehen. Mit dem Einstieg des ZDF als Gesellschafter bei der Fernsehproduktion gelang dem promovierten Historiker ein Meisterstück – die Marktposition der Bavaria wurde erheblich gestärkt. Die scharfe Kritik kleiner Produzenten bleibt nicht aus. Sie fürchten, zu den Verlierern des Verdrängungswettbewerbs zu gehören.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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