Matthias Wiedenfels muss gehen
Stada tauscht die Führungsspitze aus

Nach der gescheiterten Übernahme folgt der nächste Paukenschlag bei Stada: Der Arzneimittelhersteller tauscht Vorstandschef Wiedenfels und den Finanzchef aus. Gleichzeitig bereiten die Investoren ein neues Angebot vor.
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Bad VilbelKurz vor einem erwarteten neuen Übernahmeangebot für Stada bekommt der hessische Arzneimittelhersteller einen neuen Vorstandschef. Der ehemalige Boehringer-Ingelheim-Manager Engelbert Tjeenk Willink soll den Posten übernehmen – allerdings nur bis zum Jahresende, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Matthias Wiedenfels, der das Amt als Stada-Chef vor rund einem Jahr „bis auf weiteres“ übernommen hatte, sei mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Auch der langjährige Finanzvorstand Helmut Kraft geht. Er wird bis Ende 2017 durch den ehemaligen Finanzchef von Lanxess und Beiersdorf, Bernhard Düttmann, ersetzt.

Wiedenfels und Kraft hätten ihre Ämter aus „persönlichen Gründen“ niedergelegt, erklärte Stada. Willink und Düttmann seien „erfahrene und bewährte Topmanager“, sagte Aufsichtsratschef Ferdinand Oetker. Das Kontrollgremium beschäftige sich „seit vielen Monaten damit, den Vorstand zu komplettieren“, erklärte er weiter. Daher sei es möglich gewesen, kurzfristig zwei Nachfolger zu gewinnen.

Die Umstände bleiben indes unklar. So hatte Wiedenfels zuletzt keinerlei Rücktrittsabsichten geäußert. Das Verhältnis zu Oetker galt aber schon länger als angespannt

An der wohlwollenden Haltung des Stada-Vorstands zu einem neuen Anlauf der Finanzinvestoren Bain und Cinven, das Unternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt zu schlucken, soll der Wechsel nichts ändern. „Wir setzen unsere Strategie unbeirrt fort“, erklärte Oetker. Er galt lange als skeptisch gegenüber einem Verkauf, betonte aber, Stada werde mögliche weitere Offerten „unvoreingenommen prüfen und bewerten“. Tjeenk Willink erklärte, er werde alle Optionen „im Interesse der Aktionäre und der Belegschaft“ abwägen.

Wiedenfels, der durch das Aus für den langjährigen Stada-Chef Hartmut Retzlaff an die Spitze gespült worden war, hatte den Verkauf des Konzerns auch gegen interne Widerstände vorangetrieben und nach Ansicht von Experten einen hohen Preis für Stada herausgeholt. Noch vor einer Woche hatten Wiedenfels und Oetker Einigkeit demonstriert. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir absolut an einem Strang gezogen haben“, hatte Wiedenfels gesagt.

Trotzdem galt er als Vorstandschef auf Abruf. Der Aufsichtsrat hatte seit Monaten einen Marketing-Chef gesucht, der im besten Fall auch die Nachfolge von Wiedenfels übernehmen könnte. Der 56-jährige Tjeenk Willink war bei Boehringer bis 2012 für Marketing und Vertrieb zuständig.

Die kurze Laufzeit der Verträge der neuen Vorstände gibt den Erwartungen Nahrung, dass sich Stada weiter auf eine baldige Übernahme einstellt. Finanzinvestoren bringen nach dem Kauf eines Unternehmens oft ihre eigenen Manager mit. Bain und Cinven bereiten nach Angaben von Stada bereits einen neuen Anlauf vor. Sie wollen sich von der einjährigen Wartefrist befreien lassen, die sie nach dem Scheitern ihres Angebots eigentlich einhalten müssten.

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