Matthias Wissmann
Chef-Lobbyist der Autoindustrie

Der ehemalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann soll künftig die Interessen der Autoindustrie vertreten. Der CDU-Politiker wird Medienberichten zufolge neuer Präsident des mächtigen Branchenverbandes VDA. Diesem soll er in der Klimaschutz-Debatte Profil verleihen. Seinem Vorgänger war dies nach Meinung von Verbandsmitgliedern nicht gelungen.

HB HAMBURG. Der bisherige Verbandspräsident Bernd Gottschalk hatte vor rund zwei Wochen seinen Rücktritt angekündigt. Als Auslöser gilt Druck aus den eigenen Reihen, die ihm zu zögerliches Verhalten und Fehler in der Klima-Diskussion vorgeworfen haben sollen. Am Montag werden sich der VDA-Vorstand und das Präsidium in Berlin zu einer Sondersitzung treffen, um den neuen Präsidenten offiziell zu wählen.

Zuvor hatte bereits die „Berliner Zeitung“ ohne Nennung von Quellen über Wissmanns Berufung zum Chef des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) berichtet. Die Wahl sei auf Wissmann gefallen, weil dieser über profunde Fachkenntnisse in der Verkehrspolitik verfüge und gleichzeitig hohe kommunikative Fähigkeiten mitbringe. Mit dem neuen VDA-Präsidenten wolle die Autobranche ihr zuletzt schwaches Profil im Streit um die Senkung des klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoßes schärfen, schreibt das Blatt weiter.

Der baden-württembergische CDU-Landesgruppenchef im Bundestag, Georg Brunnhuber, bestätigte den „Stuttgarter Nachrichten“, dass sich die wichtigste deutsche Industriebranche auf Wissmann als VDA- Präsidenten verständigt habe. Die Entscheidung sei mit Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Unions-Fraktionschef Volker Kauder gefallen. „Das ist eine große Ehre für die ganze Union“, zitiert das Blatt Brunnhuber. Wissmann habe die Rückendeckung von DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche, dem Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking und des neuen VW-Chefs Martin Winterkorn. Wissmann wird dem Bericht zufolge sein Amt zum 1. Juni antreten und dann auch aus dem Deutschen Bundestag ausscheiden.

Die Zeit drängt, weil der VDA in der Klimaschutz-Debatte nicht ohne Führung dastehen will. Zudem veranstaltet der Verband im September in Frankfurt die weltgrößte Automesse IAA. Der VDA vertritt mehr als 500 Unternehmen der Auto- und Zulieferindustrie mit mehr als 750 000 Mitarbeitern. Dem 18-köpfigen Vorstand gehören die Manager großer Autokonzerne und -zulieferer an. Der Präsident wurde bislang alle zwei Jahre neu gewählt.

Der VDA wollte am Freitag den Termin für die Sondersitzung nicht bestätigen. „Kein Kommentar, das ist Sache des Präsidiums“, sagte ein Sprecher. Auch zu möglichen Kandidaten wollte der Verband sich nicht äußern. Die Suche hatte sich schwierig gestaltet, weil andere Automanager wie der ehemalige BMW-Chef Helmut Panke und der frühere VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder bereits abgewunken hatten.

Aus Verbandskreisen verlautete am Freitag zunächst, auch der frühere Mercedes-Chef Jürgen Hubbert könnte am Montag zum VDA- Präsident gewählt werden. Nach Informationen aus Branchenkreisen stand der 67-jährige Hubbert auf Grund seines Alters aber nur als Übergangslösung zur Verfügung. Sollte kein anderer Kandidat mehrheitsfähig sein, stehe Hubbert als Interimspräsident bereit. Das hatte zuvor auch die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ berichtet. Zetsche, der als Vertreter der Konzerne im Verbands-Präsidium sitzt, hat dem Vernehmen nach die Kandidatenkür geleitet und auch Hubbert angesprochen.

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