Matthias Wissmann
Das ewige Talent wechselt die Seite

Der Verband der Automobilindustrie kürt am (heutigen) Montag den Politiker Matthias Wissmann zu seinem neuen Präsidenten Matthias Wissmann wird in drei Wochen 58 Jahre alt. „Was, schon 58?“ wird sich so mancher fragen. War es doch in letzter Zeit eher etwas ruhig um den ehemaligen Bundesverkehrs- und Wirtschaftsminister geworden.

Jetzt steht der jünger wirkende gebürtige Ludwigsburger, der gerne markante Brillen trägt, vor einem großen Comeback. Die Spitze des Verbandes der Automobilindustrie will ihn auf einer Sondersitzung in Berlin zu seinem Präsidenten küren. Das bestätigten Branchenmanager dem Handelsblatt. Wissmann wird damit zu einem der wichtigsten Lobbyisten in Deutschland und kehrt damit zurück ins Rampenlicht, wenn auch auf Seiten der Industrie und nicht der Regierung.

Es war ein Vorschlag von Daimler-Chef Dieter Zetsche. BMW-Boss Norbert Reithofer und der VW-Oberste Martin Winterkorn sollen ebenfalls schnell zugestimmt haben, und auch der wichtigste Zuliefer-Boss Franz Fehrenbach gab schnell sein Plazet. „Der Kandidat war bei allen von null auf 100 schneller als ein Porsche“, sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter. Dass die Wahl auch unter Beteiligung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder auf Wissmann gefallen sei, wollten Branchenkreise nicht bestätigen. Wissmann habe ein feines Gespür für politische Strömungen, Erfahrung in Brüssel, diplomatisches Geschick und sei als Schwabe mit natürlichem Fleiß ausgestattet. „Der Wunschkandidat ist durchgekommen“, heißt es in den Kreisen.

Dass die Wahl auf einen Politiker fällt, ist schon sehr ungewöhnlich für die doch eher industriell geprägte Autobranche, aber zeichnete sich zuletzt doch ab. Denn Vorgänger Bernd Gottschalk hatte als Ex-Mercedes-Manager und damit Eigengewächs der mitunter selbstherrlichen Branche große Probleme mit der Diskussion über die CO2-Emissionen. Gottschalk kündigte überraschend seinen Rücktritt an, nachdem es in einem Magazinbericht geheißen hatte, ein Nachfolger werde bereits gesucht. Mehrere Autohersteller hatten in der Diskussion über den Schadstoffausstoß deutscher Autos kritisiert, der Verband habe ihre Fortschritte bei der Schadstoffreduzierung zu wenig ins rechte Licht gerückt. Gottschalk selbst betonte bei seinem Rücktritt, er habe sich in der Klimaschutzdebatte keine Versäumnisse vorzuwerfen.

Und gerade auf dem politischen Parkett dürfte in Zukunft Wissmanns Expertise gefragt sein. Schließlich steht die deutsche Autoindustrie mit ihren Luxus- und Oberklassefahrzeugen stark unter Druck, falls Brüssel einen einheitlichen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer für alle Fahrzeuge festlegen sollte. Gerade die Franzosen und Italiener machen bei dieser Frage in Brüssel Industriepolitik. Wissmann kennt diese Machtspiele mit Geschäften und Gegengeschäften auch aus seiner Zeit als Verkehrsminister. Zudem leitete er den Bundestagsausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union.

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