Mauro Moretti
Bauer, Bürgermeister und Bahnchef

Mauro Moretti greift bei der italienischen Bahn hart durch – und legt sich mit den Gewerkschaften an. Seine Vorgänger sind gescheitert.

MAILAND. Mauro Moretti weiß, was er will. Beim Abendessen mit Auslandsjournalisten nimmt er nicht nur das Gespräch in die Hand. Schnell bestimmt er im Mailänder Traditionsrestaurant Boecc das Menü und sucht die passenden Weine aus. Kein Zweifel, dass der Mann mit den dicken, schwarzen Augenbrauen Widerspruch nicht gerne duldet.

Erst recht nicht im Geschäftsleben, wo er hart durchgreift. Bei der italienischen Bahngesellschaft Ferrovie dello Strato (FS) hat er gerade sechs Angestellte vor die Tür gesetzt, weil sie Kollegen für sie die Arbeitskarten stempeln ließen. Mauro Moretti ist der erste Manager eines Staatsbetriebs, der ein neues Gesetz nutzt, um sich von „Faulpelzen“ zu trennen. Prompt schimpfte der mächtige Chef der kommunistischen Gewerkschaft CGIL, das sei zu „drastisch“, und drohte mit Streiks.

Moretti lässt sich davon nicht beeindrucken. In seiner 30-jährigen Karriere bei der Bahn war er selbst Gewerkschaftsvertreter der CGIL und kann daher mit Arbeitnehmervertretern gut umgehen. Außerdem sind die Entlassungen ein weiterer Schritt auf seinem Weg, den Konzern mit seinen 87 000 Beschäftigten zu sanieren. In diesem Jahr will er die Gewinnschwelle erreichen.

Der 54-Jährige räumt bei der defizitären Staatsbahn mächtig auf. Seit er vor zwei Jahren den Chefposten übernommen hat, verkleinerte er den Schuldenberg von neun auf acht Milliarden Euro und verringerte den Verlust sogar von 2,1 Milliarden auf 409 Millionen Euro (2007).

Unbeirrt bringt er die Bahn in Fahrt. Kurzerhand hat er sie in marktfähige und nicht marktfähige Sparten eingeteilt. Zu den Ersteren zählen die Hochgeschwindigkeitsverbindungen, zur Letzteren der regionale Bahnverkehr. Bei den Superschnellverbindungen zielt der Bahnchef künftig auf den Wettbewerb mit der Fluggesellschaft Alitalia. Er will vor allem den Nordwesten des Landes (Turin) mit dem Nordosten (Trieste) und dem Süden (Salerno) verbinden. Zum Knotenpunkt der Nordwest-, Nordost- und Nordsüdverbindungen soll Bologna avancieren. Die Hochgeschwindigkeitsverbindungen, die rund 50 Milliarden Euro kosten, will er bis 2010 fertigstellen. Bereits ab Dezember sollen Züge alle 30 Minuten die rund 600 km lange Strecke Mailand-Rom in knapp über drei Stunden zurücklegen. „Wir werden unseren Marktanteil auf dieser Strecke von derzeit 27 auf 80 Prozent erhöhen“, tönt Moretti.

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