Max Strauß tritt als kranker Mann vor Gericht – Belastungszeuge kommt nicht – Verteidiger spielen im Verfahren wegen Steuerhinterziehung auf Zeit
Bayerns gefallener Kronprinz

Ganz zum Schluss huscht ein kurzes Grinsen über sein Gesicht. Max Josef Strauß beugt sich zu einem Anwalt, flüstert etwas, wirkt auf einmal wie erleichtert. Gerade hat Richter Maximilian Hofmeister den ersten Prozesstag für beendet erklärt und das Verfahren um eine Woche vertagt. Der 44-Jährige erhebt seinen massigen Körper und geht zur Tür. Draußen empfangen ihn noch einmal die Fotografen.

AUGSBURG. Blass und völlig regungslos hat der älteste Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß am Morgen auf der Anklagebank Platz genommen. Auf Zurufe reagiert er nicht. Apathisch, die Mundwinkel nach unten gezogen, mit gesenktem Kopf blickt er starr vor sich auf den Tisch. Er zeigt auch keine Regung, als Staatsanwalt Christoph Wiesner die Anklage verliest, die Hände gefaltet, hoch gezogen die Schultern, eingerahmt von seinen beiden Anwälten. Ab und an schließt Max Strauß die Augen. Einmal sieht es so aus, als würde der Zwei-Meter-Mann vom Stuhl kippen. Als Richter Hofmeister ihn nach seinem Beruf fragt, flüstert Strauß nur: „Jurist“ und korrigiert dann noch seine Privatadresse. Mehr hat er nicht zu sagen.

„Er ist von seinen Ärzten medikamentös so eingestellt worden, dass er es einigermaßen übersteht“, berichtet sein Anwalt Wolfgang Dingfelder in einer Prozesspause. Nur so sei Strauß körperlich in der Lage, nach Augsburg ins Gericht zu kommen. Im vergangenen September hat der gelernte Rechtsanwalt einen psychischen und körperlichen Zusammenbruch gehabt. Seit November ist er in der Münchener Universitätsklinik für Psychiatrie wegen einer tiefen Depression in Behandlung. Seine Ärzte sprechen sogar von Selbstmordgefahr. Jeden Nachmittag außer Montag kann er seine Familie besuchen.

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