Media-Einkauf
„Der Mann muss weg“

Seit einem Jahr sitzt Aleksander Ruzicka in U-Haft. Die Anschuldigung: Verdacht der Untreue und des Betruges zum Nachteil von Aegis Media. Der Prozessbeginn könnte im Herbst erfolgen. Jetzt hat Ruzicka sein Schweigen gebrochen. Mit Michael Ziesmann, Korrespondent für die absatzwirtschaft insbesondere in Österreich, sprach er über Firmengeflechte und Geschäftspraktiken im Media-Einkauf, über Kunden und Kontrahenten und über die schweren Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden.

Herr Ruzicka, Ihnen wird schwere Untreue in 87 Fällen im Gesamtwert von mindestens 52 Millionen Euro zum Nachteil der Aegis Media vorgeworfen. Sie meinen, jederzeit im Interesse von Aegis Media gehandelt zu haben. Wie können die Meinungen so weit auseinander gehen?

RUZICKA: Dieser Vorwurf wird Herrn Kernebeck, Herrn Linn, Frau Jackson, Herrn Weber und mir gemacht. Konkret handelt es sich um zwei Geschäftsbeziehungen von Aegis, die Herr Hiemstra (Gründer von HMS, Anm. d. Red.) und Herr Ihlefeld (ehemaliger Carat Finanzchef, Anm. d. Red.) entwickelt haben. Aufgrund der uns allen erteilten Nebentätigkeitserlaubnis haben wir persönliche Engagements in diese Geschäftsbeziehungen eingebracht. Das Geschäftsmodell von Aegis basiert auf motiviertem Unternehmertum. Eine Vielzahl von Geschäftsführern, auch außerhalb Deutschlands, nutzen das. Während dies Aegis intern transparent und genehmigt ist, unterstellen der Anzeigende und die Staatsanwaltschaft ein Fehlverhalten.

Wann und wie haben Sie erstmals von einer der beiden anonymen Anzeigen erfahren?

RUZICKA: Am 12. September 2006 als die Hausdurchsuchungen bei Aegis Media und unter anderem auch in meinem Haus in Wiesbaden stattgefunden haben.

Sie seien über die Vorwürfe "irritiert und frustriert" und hätten "nichts Falsches getan". Wie kommen Sie zu dieser Auffassung?

RUZICKA: In meiner Aussage habe ich das in einem anderen Zusammenhang geäußert. Ich bin irritiert und frustriert über die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft in ihrer Stellungnahme im Zuge einer Haftprüfung an das Oberlandesgericht Frankfurt am Main Sachverhalte, die ich in meiner zehntägigen Aussage erläutert und mit Dokumenten bewiesen habe, noch immer von der nachgewiesenen Realität abweichend darstellt. Denn ich bin der Überzeugung, dass der Vorwurf nicht haltbar ist, da zu keinem Zeitpunkt Gelder von Aegis betroffen waren. Daher kann es keine Untreue gegenüber Aegis Media geben. Aegis Media kann auch nicht geschädigt worden sein. Ganz im Gegenteil: Aegis hat erheblich profitiert. Zudem ist die angebliche Schadenssumme künstlich hochgerechnet, da sogar noch 16 Prozent Mehrwertsteuer enthalten sind.

Ihnen wird vorgeworfen, gemeinsam mit zunächst drei weiteren Beschuldigten die Firmen Camaco, Watson Communication, Life2Solutions und Ortago gegründet und betrieben zu haben. Zu welchem Zweck?

RUZICKA: Bereits Kai Hiemstra hatte in den 90er-Jahren Verträge mit Firmen um an Schlüsselinformationen zu kommen, die nicht frei am Markt verfügbar sind. Beispielsweise welche Konditionen andere Agenturen oder Kunden bekommen. Natürlich ist es wichtig in Verhandlungen zu wissen, welche Konditionen OMG, GroupM oder WPP haben, um zu sagen: wenn die das bekommen will ich das auch haben. Damals wurden die Kosten für solche Beraterverträge von Carat gezahlt. Das betraf durchaus auch Abendessen, Reisen, Sommerfeste, Soirées oder die viel zitierten Jagdausflüge. Ziel dessen war es, in einer bewusst geschaffenen Privatsphäre an Informationen zu kommen, die im Sinne von Carat zu besseren Konditionen führen. Weil das damals von Carat gezahlt wurde, hat sich das Modell weiterentwickelt. Wir haben die Unternehmen Camaco und Watson gegründet, die sich mit Media-Auditoring und der Beschaffung von Informationen beschäftigt haben. Die dort gewonnenen Informationen wurden ausschließlich Aegis zur Verfügung gestellt. Aegis hat diese in den Verhandlungen mit Medien aber auch bei Pitches eingesetzt. Trotz sinkender Umsätze, ich erinnere beispielsweise an den Verlust des Kunden Vodafone, konnte Aegis damit das Freespace-Volumen als auch die Konditionen verbessern.

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