Mediatoren
Wenn zwei sich streiten – und beide gewinnen

Zerstritten bis aufs Blut? Mediatoren können Abhilfe schaffen: Die professionellen Streitschlichter lösen Wirtschaftskonflikte und kitten Geschäftsbeziehungen. Anders als vor Gericht lösen sie Streitfälle vertraulich; der Einsatz von Mediatoren spart Zeit und Kosten. Doch Unternehmen scheuen die Konfliktmoderatoren – die Macht der Gewohnheit.

DÜSSELDORF. Es ging um viele Millionen Euro, die Zeit lief davon. Schließlich handelte es sich um „leicht verderbliche Ware“: ein Software-Patent, über das sich zwei Firmen bis aufs Blut zerstritten hatten. Statt vor Gericht zu gehen, schalteten sie einen Mediator ein. Der brachte die Streithähne zusammen und vermittelte als unparteilicher Dritter. Mit Erfolg: In drei Tagen waren die Probleme vom Tisch und alle zufrieden. Sie einigten sich nicht nur auf eine gemeinsame Vermarktung, sondern entwickeln heute zusammen ein Programm.

Die meisten Firmen aber haben Berührungsängste mit Mediation. Dabei eignet sie sich gerade für Streitfälle, die fix und vertraulich gelöst werden müssen. Anders als vor Gericht. „Dort und bei außergerichtlichen Schiedsverfahren dauern Entscheidungen meist Jahre – mit ungewissem Ausgang“, beklagt Ulrich Hagel, Konfliktmanager bei Bombardier Transportation.

Mediation spart nicht nur erheblich Zeit, sondern damit auch Geld. „Ab 25 000 Euro Streitwert ist Mediation immer günstiger als der Gerichtsweg oder alternative Verfahren“, erläutert Reiner Ponschab, Anwalt und Wirtschaftsmediator vom Europäischen Institut für Conflict Management (Eucon) in München.

Kosten durch Zeitverluste der Mitarbeiter machen dabei den Löwenanteil aus – Kostenvergleiche finden sich auf der Homepage von Eucon. Frappierend: Bei einer Million Euro Streitwert kostet ein Mediator rund 32 000 Euro, sind zwei Anwälte der Parteien mit dabei, 67 500 Euro. Ein Schiedsverfahren verschlingt 263 500 Euro, zwei Instanzen vor Gericht sogar 413 000 Euro.

„Obwohl Mediation knallharte Kostenvorteile bringt, wird sie hierzulande oft als weicher Faktor abgetan“, beobachtet Jürgen Klowait, Leiter des Gelsenkirchener Rechtsbereichs von Eon Kernkraft. Doch gerade darin liegt ihr Erfolgsgeheimnis: „Die Menschen reden miteinander – anders als vor Gericht oder bei den übrigen Verfahren“, lobt Christian Stubbe, Syndikus bei Siemens in Erlangen.

Wolfgang Salewski, lange Jahre Konfliktberater von Regierung und Wirtschaft: „Ein Mediator fungiert als Konfliktmoderator, der versteckte Motive bewusst macht.“ Er findet heraus, wo der Schuh wirklich drückt, resümiert Bombardier-Manager Hagel. So gelingt es oft, den „Kuchen“ zu vergrößern, um den gestritten wird. „Die Streitenden sind häufig zu fantasielos und brauchen Denkanstöße eines Dritten.“ Springt dann ein Wartungs- oder Folgeauftrag mit heraus, profitieren alle – eine Win-win-Situation. Mediation kennt keine Verlierer. Salewski: „Am Ende können sich alle in die Augen schauen und aufrecht heimgehen.“

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