Medien und Manager
In der Skandalisierungsfalle

Manager werden von den Medien immer schlechter behandelt. Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat erforscht, warum das so ist. Das Ergebnis: Nicht mehr nur Analysten und Wirtschaftsjournalisten, sondern vermehrt die politische Gesellschaft urteilt über die Konzernchefs. Und deren Wahrnehmung ist anders.

DÜSSELDORF. Die Spitzenpolitiker fühlen sich von der Wirtschaft unverstanden. "Ehrfurcht" wünscht sich die zukünftige Bundeskanzlerin Angela Merkel von den Bossen für die Leistung der Koalitionäre. "Das ist alles sehr kalt und herzlos", kritisiert ihr designierter Wirtschaftsminister Michael Glos, CSU, Stellungnahmen aus der Wirtschaft zum Koalitionsvertrag; und Ex-Kanzler Gerhard Schröder warnt vor "Politiker-Bashing" aus den Vorstandsetagen. "Nur Lügen" wiederum habe die Politik aufgetischt, so Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, und auch das Handelsblatt hat in Berlin eine "Koalition der Diebe" ausgemacht.

Dass die unterschiedlichen Funktionseliten einer Gesellschaft so aufeinander einprügeln, ist ungewöhnlich. Einer der Gründe ist, dass in Deutschland die Medienwelt immer schärfer auseinander fällt – in eine Wirtschaftspresse, die die Zwänge der Manager versteht, und in eine Politik-Presse, die gerade deshalb über sie herfällt. Das ergibt eine Studie, die das Institut für Demoskopie in Allensbach für die Kommunikationsagentur Deekeling Identity & Change. Die Umfrage zeigt, warum Manager von den Medien immer schlechter behandelt werden.

Der größte Kommunikationspatzer aller Zeiten ist demnach dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann unterlaufen, der zeitgleich Rekordgewinne mit Massenentlassungen verkündet habe, meinen 95 Prozent der befragten Politikjournalisten, aber nur 79 Prozent der Wirtschaftsjournalisten. Diese Kluft verbreitert sich weiter, wenn der Kontext abgefragt wird: Das Thema Rekordgewinne ist bei 42 Prozent der Wirtschaftsjournalisten präsent, aber nur bei 15 Prozent der Kollegen aus dem Wirtschaftsressort. Ackermann ist bei den Wirtschaftsjournalisten als Macher geschätzt, bei den Politikjournalisten dagegen verdammt.

"Die Wahrnehmung wirtschaftlicher Sachverhalte hat sich von allgemein politischen Themen abgekoppelt", beobachtet Olaf Arndt, Geschäftsführer von Deekeling. Manager würden nicht mehr nach ihrer unternehmerischen Leistung beurteilt. So ist bei der Gesamtbeurteilung von Managern die Performance für 51 Prozent der Wirtschaftsjournalisten von überragender Bedeutung – aber nur bei elf Prozent der Politikkollegen. Bei denen stehen an oberster Stelle der Bewertung "Soziale Kompetenz".

Diese Bedeutungsverschiebung verschärft sich, wenn bei großen Themen die Hoheit wechselt: Weg vom Wirtschaftsressort der Medien hin zu den Politikredakteuren. "Nicht mehr nur Analysten und Wirtschaftsjournalisten, sondern vermehrt die politische Gesellschaft urteilt über die Konzernchefs", so Arndt.

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