Medienkrise
Milliardär räumt bei L.A. Times auf

Die Medienkrise in den USA nimmt immer schärfere Züge an. Zum zweiten Mal in nur 15 Monaten wurde jetzt der Chefredakteur der rennomierten Los Angeles Times gefeuert. James O'Shea muss gehen, weil er die Sparrunde der US-Zeitung nicht mitträgt.

LOS ANGELES. Er hasst Krawatten, trägt Lederjacken und knattert auf einer Ducati ins Büro. In Verhandlungen kommt Sam Zell ohne Umschweife zum Thema und würzt seine Rede gern mit Flüchen. Und der 66-jährige Selfmademan scheut keine Risiken, getreu seinem Motto: „Das Streben nach 100 Prozent richtigen Entscheidungen führt zur Paralyse.“

Was das heißt, bekommt jetzt die Los Angeles Times zu spüren. Sam Zell, der sein Vermögen mit Immobilien machte, hat die Muttergesellschaft Tribune Co., den zweitgrößten Zeitungsverlag der USA, in einem Milliarden-Deal gekauft. Jetzt räumt er auf: Chefredakteur James O’Shea muss gehen. Er ist bereits der dritte Chefredakteur in Folge, der abtreten muss, weil er sich geweigert hat, vom Management geforderte Einsparmaßnahmen durchzusetzen. Er sollte im laufenden Jahr weitere vier Millionen Dollar des rund 120 Millionen Dollar umfassenden Budgets des Newsrooms – Nachrichtenzentrale der Zeitung – einsparen.

Zuvor waren die Spannungen zwischen O’Shea und Verleger David Hiller eskaliert, wie die Times auf ihrer eigenen Webseite schreibt. Die Sparrunde bei der viertgrößten Tageszeitung der USA hätte zu einem Personalabbau in der Redaktion geführt und zu Beeinträchtigungen bei der Wahlkampfberichterstattung, heißt es weiter. Das wollte O’Shea nicht mittragen, und Hiller habe ihm den Rücktritt nahegelegt.

Wenige Wochen zuvor hatte Immobilienmilliardär Sam Zell und eine Mitarbeitergesellschaft für über acht Milliarden Dollar die Tribune & Co. übernommen. Der weitgehend fremdfinanzierte Kauf auf der Höhe der Kreditkrise in den USA hinterließ die Tribune mit einer hohen Schuldenlast. Die LA Times kämpft gleichzeitig wie viele Tageszeitungen in den USA mit ständig sinkenden Auflagen und Werbeerlösen. Außerdem nehmen vor allem die Kleinanzeigenmärkte im Internet den Zeitungen immer mehr Umsatz ab.

Wer O’Sheas Nachfolger werden könnte, ist noch nicht bekannt. In einem Interview sagte Hiller, der Abgang von O’Shea sei Teil eines geplanten Wechsels im Führungsmanagement. O’Shea sagte hingegen gegenüber der LA Times: „Es stimmt, dass wir uns nicht einig über die Zukunft der Zeitung waren. Aus meiner Sicht hat er (Hiller) die Entscheidung getroffen, mich abzusetzen. Mehr möchte ich ohne meinen Anwalt nicht sagen.“

Klar ist, dass der Neue den Sparkurs des Tribune-Eigentümers Sam Zell fortsetzen muss. Ob der Milliardär damit den US-Zeitungsverlag wieder auf Kurs bringt, bleibt abzuwarten. Denn bislang hat er keine Erfahrung im Zeitungsgeschäft.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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