Medienmann Claus Larass
Nicht ohne meine Zeitungen

Journalist und Manager Claus Larass feiert am Sonntag seinen 65. Geburtstag. Beim ehemaligen Springer-Vize und Pro-Sieben-Vorstand ist von sich abzeichnendem Ruhestand allerdings nichts zu sehen: Die Meinung des Medienexperten ist vielleicht gefragter denn je. Ein Porträt.
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Wenn Claus Larass das Café Einstein auf dem Berliner Prachtboulevard Unter den Linden betritt, hat er stets ein dickes Bündel Zeitungen untern Arm. "Ich lese und lese und lese", sagt der frühere "Bild"-Chef über seine Lieblingsbeschäftigung. Doch der ehemalige Vizechef des Medienkonzerns Axel Springer kommt nur selten zur Lektüre im Salon der Berliner Republik. Denn Claus Larass ist ein gefragter Gesprächspartner. Sein Wissen und seine Analyse sind von den Wichtigen der Medienbranche gefragt. Allein sitzt er selten.

Am 1. November wird der Journalist und Manager 65 Jahre alt. Ein großes Bohai macht er nicht um seinen Geburtstag. Zusammen mit seiner Famalie hat er sich durch einen Kurztrip nach Italien den Feierlichkeiten entzogen.

Larass blickt auf eine außergewöhnliche Karriere zurück, die heute wahrscheinlich im Zeitalter stromlinienförmiger Lebensläufe nicht mehr möglich wäre. Seine Schulausbildung war nämlich ein selbst gewähltes Desaster. Noch vor dem Abitur ver-schwand der minderjährige Pennäler in Richtung Iran, Pakistan und vor allem Indien. 1963, lange bevor es APO und Hippies gab, verbrachte der gebürtige Brandenburger rund ein Jahr auf dem indischen Subkontinent. Und dann? Er entschied sich unter verschiedenen Angeboten - damals waren Zeitungsverlage als Arbeitgeber eine sicher Bank - ausgerechnet für ein Volontariat bei winzigen "Fränkischen Anzeiger" im malerischen Fachwerkstädtchen Rothenburg ob der Tauber. "Ich hatte mich für Rothenburg entschieden, weil ich bei einer kleinen Zeitung alles machen konnte." Seine journalistischen Träume sollten sich erfüllen.

Ausgerüstet mit journalistischen Handwerkzeug machte Larass, seine Freunde nennen ihn "Larry", schnell Karriere. Nach Zwischenstationen beim "Donaukurier" (Ingolstadt) und "Kölner Stadt-Anzeiger" heuerte er 1973 als Ressortchef Innenpolitik beim Springer-Flaggschiff "Welt" an. Dort ging es für den bulligen Journalisten mit dem breiten Kreuz steil bergauf. Nach einem Intermezzo als Vize-Chef des Klatschmagazins "Bunte" bei Burda war er fünf Jahre Chef der "Bild" und schließlich 1988 stellvertretender Vorstandschef von Axel

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