Medienriese Bertelsmann baut seine Stiftung um
Der langsame Aufstieg von Brigitte Mohn

Pünktlich um zwölf Uhr gestern versammelte Reinhard Mohn das Präsidium der Bertelsmann-Stiftung im „Konferenzraum 1“. Während der See der Gütersloher Konzernzentrale an diesem Sommertag blau durch die Fenster leuchtet, stellt der 83-jährige Patriarch in Anwesenheit seiner Frau Liz die Weichen für die Zukunft: Seine Tochter Brigitte rückt am 1. Januar 2004 in den Vorstand der Stiftung auf.

DÜSSELDORF. Seit Jahren wird die promovierte Politikwissenschaftlerin systematisch für größere Aufgaben vorbereitet. Die 40-Jährige, die im Herbst Zwillinge erwartet, betreute bisher den Bereich Gesundheit und machte sich außerhalb des Unternehmens durch den Vorsitz der Deutschen Schlaganfall-Stiftung bereits einen Namen. Diese Aufgabe übernahm sie von ihrer Mutter.

In Gütersloh wird die Beförderung von Brigitte Mohn als weiteres Indiz dafür gewertet, dass sie langfristig eine wichtige Rolle im Bertelsmann-Powerplay spielen wird. Intern wird die Milliardärstochter als unkompliziert und kompetent beschrieben.

Mit dem Aufstieg seiner Tochter spaltet Reinhard Mohn die Führungsspitze der Bertelsmann-Stiftung in ein Kuratorium (Aufsichtsrat) und ein Präsidium (Vorstand) auf. Reinhard Mohn sieht darin eine beispielhafte Corporate Governance, mit der er die Kontinuität der Stiftung sichern will. Doch die Trennung von Präsidium und Kuratorium hat einen Haken. Firmenpatriarchin Liz Mohn hat je ein Mandat für beide Gremien – so etwas wäre in der Wirtschaft unvorstellbar.

Seit Gunter Thielen den Bertelsmann-Konzern führt, wird immer klarer, dass die Kinder von Liz und Reinhard Mohn auf größere Aufgaben vorbereitet werden. Während Sohn Christoph Mohn versucht, seine Internetfirma Lycos Europe aus den roten Zahlen zu bringen, darf sich Brigitte um das Schöne, Gute und Wahre sorgen. Die Aufgabenteilung klappt in Gütersloh hervorragend. Manche sehen Brigitte Mohn bereits in ein paar Jahren an der Spitze der größten deutschen Unternehmensstiftung.

Die neue Architektur steht und fällt aber mit dem Mohn-Vertrauten Thielen. Der geradlinige Westfale, der derzeit Europas größten Medienkonzern wieder auf Wachstumskurs trimmt, wird das Präsidium der Stiftung ab 2007 übernehmen. Der 61-Jährige war bereits vom Herbst 2001 und bis Sommer 2002 Chef der Stiftung mit einem Etat von 65 Millionen Euro. Derzeit betreuen 300 Mitarbeiter, die meisten vom Standort Gütersloh aus, rund 130 Projekte in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Bildung und internationale Verständigung.

Bis Thielen den Vorsitz des Präsidiums übernimmt, bleibt Heribert Meffert weiter im Amt. Dessen Vertrag wurde gestern verlängert. Der frühere Marketingprofessor aus Münster war bisher von vielen im Unternehmen als farblos und führungsschwach empfunden worden. Doch genau das gefällt derzeit offenbar der Mohn-Familie. „Meffert schafft die Kontinuität, welche die Stiftung derzeit braucht“, sagte ein Insider gestern.

Alles wird gut. Der eilends versammelten Lokalpresse ließ Reinhard Mohn, der weiter dem Kuratorium der Stiftung angehört, gestern in Gütersloh umständlich mitteilen: „Ich bin zuversichtlich, dass mit dieser Kontinuitätsplanung das Fundament für eine langfristige und erfolgreiche Arbeit der Bertelsmann Stiftung gelegt ist.“ Bertelsmann ist eben wie eine große Familie, und die heißt Mohn.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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