Megafusion mit Unicredito geht es an diesem Wochenende um alles oder nichts
HVB-Chef Rampl spielt "alles oder nichts"

Wenn Dieter Rampl richtig ausspannen will, fährt er ganz weit weg, wenn auch manchmal nur in Gedanken. Er weilt dann in Florida. Auf Sanibel-Island, einer Insel an der Westküste des Sonnenparadieses. Dort hat er ein Haus, geht stundenlang am Strand entlang, genießt das Meer, und er denkt nach.

HB MÜNCHEN. Zeit dafür hat der Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank (HVB) in diesen Wochen keine. Der 57-Jährige, Jahresgehalt 1,6 Millionen Euro, steht unter Strom. Er arbeitet an Europas größter Bankenfusion - dem Zusammenschluss der Großbank Unicredito, Nummer eins in Italien, mit seinem Münchener Traditionshaus, Branchenzweiter in Deutschland.

Am Wochenende fällt die Entscheidung. Die Aufsichtsgremien tagen in München und Mailand. Operation "Akropolis" strebt ihrem Olymp entgegen. Für die HVB wählten die Investmentbanker den Tarnnamen des Götterboten Hermes. Uranus steht für Unicredito.

Es geht um viel - besonders für den gebürtigen Münchener mit österreichischem Pass. Gelingt die Fusion, wird Rampl zum Verwaltungsratspräsidenten der neuen Großbank. Damit wäre er einer der mächtigsten Banker Europas, auch wenn er Unicredito-Chef Allessandro Profumo künftig im operativen Geschäft den Vortritt lassen muss.

Platzt der Deal jedoch, würde die HVB zu einem taumelnden Hermes. Rampls Tage an der Spitze der HVB wären wohl gezählt, er stürzte in die Bedeutungslosigkeit - Florida forever. "Der spielt mit sehr, sehr hohem Einsatz", klagt jemand aus der Bank.

Für Rampl geht es auch um etwas Persönliches: Er würde den Machtkampf mit Albrecht Schmidt ein für allemal lösen - so oder so. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende der HVB und Weggefährte Rampls, der als eine Art Übervater immer auf die Unabhängigkeit des Münchener Konzerns gepocht hatte, gilt als Gegner der Übernahme durch die Italiener.

Doch im Aufsichtsrat findet der 67-Jährige wohl keine Mehrheit mehr. Selbst die Arbeitnehmer-Vertreter und Großaktionär Münchener Rück, lange der wichtigste Verbündete Schmidts, sind für Rampls Fusion - auch wenn in München schon die Angst umgeht: "Wenn die Italiener kommen, kann man sich hier warm anziehen", warnt ein Beobachter.

Rampl und Schmidt sind seit Jahren in einer Art Hassliebe ineinander verkeilt. Hier der kühl kalkulierende, stets beherrschte Schmidt, der lange den Spitznamen "der kleine Napoleon" trug. Dort der burschikos und kumpelhaft auftretende Selfmade-Banker Rampl, der für seine Alleingänge so berühmt wie berüchtigt ist.

Lange arbeiteten Rampl, sieben Jahre Vorstand, und Schmidt, zwölf Jahre Vorstandssprecher, zusammen. Schmidt hatte 2002 aber Investmentbanker Stefan Jentzsch als seinen Nachfolger favorisiert, heißt es. Doch dafür habe es im Aufsichtsrat keine Mehrheit gegeben. Rampl bekam den Top-Job.

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