Mehr als ein Stimmungsbarometer
Mitarbeiterbefragung: Ein Ohr für die Belegschaft

Schon jedes zweite Unternehmen nutzt Mitarbeiterbefragungen zur strategischen Steuerung – und nicht bloß als Stimmungsbarometer. Manager können von der Basis viel lernen. Denn in acht von zehn Firmen klaffen Selbst- und Fremdbild weit auseinander.

DÜSSELDORF. Steht eine Mitarbeiterbefragung ins Haus, bekommt so mancher Unternehmenslenker weiche Knie. Der Geschäftsführer einer Franchisefiliale wollte lieber nichts dem Zufall überlassen – schließlich war seine Zielvereinbarung an das Feedback der Belegschaft gekoppelt. Kurzerhand kreuzte er die Fragen selbst an. Der Betrug flog auf. Sein Fehler: Er hatte alle 170 Bögen mit demselben Stift ausgefüllt.

Fakt ist: Das Urteil der Mitarbeiter über ihr Unternehmen genießt in den Chefetagen immer höhere Aufmerksamkeit. Matthias Malessa, Personalchef von Adidas: „Unsere Leute sollen spüren: Was ihr denkt, ist der Firma wichtig.“ Eine systematische Feedbackkultur von unten nach oben ist hierzulande auf dem Vormarsch. Jede zweite Firma mit mehr als 1 000 Mitarbeitern hat in den vergangenen fünf Jahren ihre Belegschaft befragt, schätzen Experten.

„Früher glaubten die meisten Topmanager, aus solchen Befragungen nichts Neues zu lernen“, sagt Nelson Taapken, Leiter der Managementberatung von Hewitt. Doch inzwischen geht in 77 Prozent der Fälle die Initiative für die Umfragen von der Firmenspitze aus – vor zwei Jahren waren es nur 61 Prozent.

Das zeigt eine Studie der Beratungshäuser Kienbaum und Hewitt. 207 Personalentscheider im deutschsprachigen Raum – vom Konzernen bis zu Mittelständlern – schilderten ihre Erfahrungen mit Mitarbeiterbefragungen. Das Ergebnis liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Der Blick auf die Auftraggeber zeigt: Die Umfragen bekommen zunehmend strategisches Gewicht und dienen nicht nur als Stimmungsbarometer fürs Betriebsklima. „Adidas betrachtet Mitarbeiterbefragungen als Managementinstrument und nicht als reine Angelegenheit der Personalabteilung“, betont Malessa. Wie der Dax-Konzern nutzt schon die Hälfte der Befragten das Wissen um die Befindlichkeiten ihrer Mitarbeiter, um das Unternehmen besser zu steuern.

„Umfragen sind ein ideales Frühwarnsystem, wenn Arbeitsabläufe haken oder Führungskräfte nicht motivieren“, sagt Mandy Rehmann von Kienbaum, verantwortlich für Mitarbeiterbefragungen. Sie geben tiefen Einblick ins Innerste einer Organisation – und Antworten auf essenzielle Fragen: Sind wir als Arbeitgeber attraktiv? Können wir zu Höchstleistungen motivieren?

Früher reichte es Arbeitgebern meist, nach der Zufriedenheit ihrer Leute zu fragen. „Doch dies sagt nichts über deren Leistungsbereitschaft“, weiß Johann Häußler vom Marktforscher Vocatus, der schon 500 Mitarbeiterbefragungen betreut hat. Viel aussagekräftiger ist das Engagement der Belegschaft, das heute 71 Prozent der Firmen erheben – vor zwei Jahren waren es erst 55 Prozent.

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