Mehr Rüstungsgeschäft
Rheinmetall-Chef macht strategischen Schwenk

Klaus Eberhardt hat alles, was ein Manager braucht: Erfolgreiche Geschäftsabschlüsse, eine Vision - und ein handfestes Problem, an dem er seine Qualität beweisen kann. Sorgen macht dem Rheinmetall-Chef die Automobilzulieferer-Sparte. Wegen der Flaute auf dem Automarkt ist der Konzern im ersten Halbjahr tief in die Verlustzone abgetaucht. Mehr Engagement im Rüstungsgeschäft soll jetzt die Wende bringen.

DÜSSELDORF. Das operative Minus bei Rheinmetall summierte sich im ersten Halbjahr auf 63 Mio. Euro, nach plus 102 Mio. Euro im Vorjahr. Der Umsatz schrumpfte um ein Fünftel auf 1,5 Mrd. Euro. Verantwortlich dafür ist ausschließlich das Geschäft mit den Autokonzernen. Eberhardt stellte für das Gesamtjahr einen Umsatzrückgang um ein Viertel für die Automotive-Sparte in Aussicht.

Besser läuft es im Rüstungsgeschäft, dem anderen Standbein der Rheinmetall AG. Hier kann der 61-Jährige Erfolge vorweisen, gewannen doch die Düsseldorfer erst kürzlich den größten Einzelauftrag ihrer Unternehmensgeschichte: Die Bundeswehr bestellt für 3,1 Mrd. Euro 405 Schützenpanzer vom Typ Puma bei einem Konsortium, an dem Rheinmetall und der Rivale Krauss-Maffei Wegmann je zur Hälfte beteiligt sind.

Mit zuletzt 4,5 Mrd. Euro liegt der Auftragsbestand der Rüstungssparte auf einem Rekordniveau – und die Bestellungen steigen. Eberhardt hat für das Jahresende die Marke von fünf Mrd. Euro im Visier, wie er kürzlich dem Handelsblatt sagte.

In diesem Jahr wird das Geschäft mit den Militärs das mit den darbenden Autobauern überflügeln. Die Bedeutung der noch im Jahr 2008 umsatzstärkeren Automotive-Sparte sinkt. Schon mehren sich die Rufe, der Konzern soll sich ganz auf den Bau von Panzern und die Herstellung von Waffensystemen, Minen und Munition fokussieren. Rheinmetall würde zu seinen Wurzeln als reine Waffenschmiede zurückkehren.

Aber Eberhardt zögert. Automotive sei Kerngeschäft, beteuert er – noch. Alleine schon wegen der Kreditvereinbarung mit den Banken ist Rheinmetall an das Automotive-Geschäft gefesselt. Auf zwei Standbeinen steht man fester als auf einem, lautet die offizielle Formel.

Doch die jüngsten Zukäufe deuten darauf hin, dass Eberhardt sein Unternehmen Zug um Zug zum reinen Rüstungskonzern umbaut. Vergangenes Jahr erwarb Rheinmetall den südafrikanischen Munitionshersteller Denel Munitions und den niederländischen Panzerbauer Stork PWV. Weitere Akquisitionen sollen folgen. In diesem Jahr sind noch zwei bis drei kleinere Zukäufe möglich. Der große Wurf steht aber noch aus.

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