Mel Karmazin tritt ab – zwei Manager übernehmen seinen Job
Starmanager verlässt Viacom

Seit Jahren befand sich die Führung von Viacom in einem Stellungskrieg: Großaktionär und Chief Executive Officer Sumner Redstone auf der einen, Chief Operation Officer und Wall-Street-Liebling Mel Karmazin auf der anderen Seite.

NEW YORK. Das Einzige, was die beiden zusammenhielt, war der Erfolg des zweitgrößten US-Medienkonzerns. Am Dienstag endete der Dauerclinch mit einer faustdicken Überraschung: Karmazin erklärte seinen sofortigen Rücktritt; aber auch Redstone kündigte seinen Rückzug in drei Jahren an und ernannte zugleich zwei Kronprinzen. Tom Freston, Chef des Musiksenders MTV, und Leslie Moonves, Chef des US-TV-Senders CBS, sollen erst Karmazin und – einer von beiden – später Redstone beerben.

Über einen Abgang des von anderen Medienkonzernen heiß umworbenen Karmazin war immer wieder spekuliert worden, seitdem der heute 60-Jährige vor vier Jahren zu Viacom kam. Im vergangenen Jahr unterzeichnete der Starmanager jedoch einen neuen Dreijahresvertrag, der ihm weitgehende Mitspracherechte bei der Führung des Unternehmens zusicherte und in der Branche als Waffenstillstand mit Redstone verstanden wurde. Der 81-jährige Großaktionär hat Karmazin persönlich zwar nie gemocht, wollte den scharfen Kostenrechner und schnörkellosen Manager jedoch unbedingt halten.

Unterschiedliche Vorstellungen über die Expansion von Viacom, Geschäftseinbußen im Radiogeschäft, Karmazins umstrittene Aktienverkäufe und seine kontroverse Werbestrategie sorgten aber für Zündstoff zwischen den beiden Egomanen. Außerdem fiel der Aktienkurs seit Jahresbeginn um 20 Prozent.

„Dass sie es so lange miteinander ausgehalten haben, ist schon beeindruckend“, sagte Fondsmanager Dennis Fitzpatrick von First Investors der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es könne eben nur einen Chef geben, und Redstone kontrolliere einen Großteil des Unternehmens. Die Börse quittierte die Personalie mit einem leichten Kursabschlag.

Der in New York geborene Manager wird noch zwei Monate der neuen Viacom-Führung als Berater zur Seite stehen. Danach stehen ihm vermutlich viele Türen offen. Zuletzt wurde er als Nachfolger für Disney-Chef Michael Eisner gehandelt. Beobachter halten es jedoch für möglich, dass Karmazin sich zunächst eine Auszeit gönnt.

Finanziell muss er sich keine Sorgen machen. Presseberichten zufolge hat er Anspruch auf eine Abfindung von mehr als 25 Millionen Dollar. Er hat Viacom-Aktien im Wert von rund 400 Millionen Dollar.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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