Menschen bei Maischberger: „Zumwinkel hätte niemals ein Auto geklaut“

Menschen bei Maischberger
„Zumwinkel hätte niemals ein Auto geklaut“

Steuerhinterziehung - Kavaliersdelikt oder Kapitalverbrechen? Bei "Maischberger" ging es um Moral und Doppelmoral, Klaus Zumwinkel, die Schweiz als Sünderparadies und um die Frage, ob Ex-Finanzminister Eichel schon mal bei der Steuer getrickst hat.

DÜSSELDORF. Am Donnerstag beginnt in Bochum der Prozess gegen einen der schillerndsten mutmaßlichen Steuerbetrüger des Landes, Ex-Postchef Klaus Zumwinkel.

Zwei Tage zuvor, am Dienstag in Köln, gab es ebenfalls einen Steuerprozess, zu sehen in der ARD. Den Vorsitz hatte Sandra Maischberger, und auf der Anklagebank saßen gleich drei Bösewichte: die Schweiz, die angeblich Steuersünder ködert und mit ihnen Geschäfte macht. Das deutsche Steuersystem mitsamt seinen angeblichen Rambo-Fahndern, das zu kompliziert und zu kostspielig sei und deshalb Schummeleien provoziere. Und schließlich, klar, Zumwinkel selbst. Die Ankläger und Verteidiger waren die "Menschen bei Maischberger" auf den Sofas, und geklärt werden sollte ein für allemal die Frage: "Steuerhinterziehung: Kavaliersdelikt oder Schwerverbrechen?"

Zumwinkel, der gut eine Million Euro in Liechtensteiner Stiftungen vor dem deutschen Fiskus versteckt haben soll, war schnell abgeurteilt. Sein Verhalten sei "falsch" gewesen (Roger Köppel, Schweizer Journalist), eine "Dummheit" (Georg Wengert, Steuerberater), ein "Verbrechen" (Dieter Ondracek, Steuerfahnder und Vorsitzender der Deutschen Steuergesellschaft) oder "völlig inakzeptabel" (Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel). Das macht man nicht, so die einhellige Meinung, gerade als Mensch mit Vorbildfunktion.

Mildernde Umstände ließ nur Steuerberater Wengert gelten, der die öffentliche Razzia in der Villa des Topmanagers als "völlig unmenschlich" anprangerte. Außerdem hätten wohl Zumwinkels Steuerberater dessen Geschäfte eingefädelt - und zwar vor vielen Jahren, als die Gesetze noch nicht so scharf waren. Ein Argument, das wiederum Eichel nicht gelten lassen konnte, der an sein Steueramnestie-Programm erinnerte: "Zumwinkel hätte ja zurückkommen können mit dem ganzen Geld". Der Ex-Postler hatte in der Runde wenige Freunde.

Komplizierter war da schon die Anklage gegen die Schweiz. Dort wie auch in Liechtenstein schützt das Bankgeheimnis vor allzu neugierigen Blicken der deutschen Behörden. Was nicht nur den amtierenden Bundesfinanzminister Peer Steinbrück auf die Palme bringt und ihn über eine "Schwarze Liste" für solche Staaten nachdenken lässt. So sollen 200 bis 300 Mrd. Euro Schwarzgeld von Deutschen auf Schweizer Konten liegen. "Von mir aus können die Deutschen ihr Geld dort anlegen", sagte Eichel. "Nur nicht am Fiskus vorbei."

In der Schweiz würde auch Zumwinkel wohl nicht so hart bestraft werden, denn das Land unterscheidet zwischen Steuerhinterziehung, einer Ordnungswidrigkeit, und dem strafbaren Steuerbetrug. Was Köppel, Chefredakteur der Zürcher "Weltwoche" auch gut so findet. Schließlich solle es den Bürgern möglich sein, eigenes Vermögen als eine Art Selbstverteidigung gegen den Staat zu horten. Im Übrigen müsse man doch sehen, dass irgendetwas mit dem System in Deutschland nicht stimme, wenn so viele Menschen ihr Geld über die Grenzen schafften. "Die Leute bringen Geld außer Landes, weil sie dem Staat misstrauen", sagte auch Wengert, der Eichel vorwarf, er diffamiere ein ganzes Land als Nation von Hehlern. Es brauche, so der Berater, in Deutschland "einfache, niedrigere Steuern".

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