Mentoring
Steighelfer für junge Manager

Mentoren gibt es schon seit Odysseus Zeiten. Ohne den väterlichen Ratgeber schafft es heute kaum jemand an die Spitze eines Unternehmens. Aber auch die Firmen profitieren, wenn sie Patenschaften fördern. Gutes Mentoring zahlt sich aus - für alle Beteiligten. Vorsicht aber, vor einer zu innigen Beziehung.

DÜSSELDORF. Frank Appel kämpfte mit den Tränen. Mehrfach fiel der sonst eher steife neue Post-Chef seinem Vorgänger und Ziehvater Klaus Zumwinkel um den Hals. Das kolportieren Postler von der Betriebsversammlung vorige Woche, auf der Zumwinkel Adieu sagte. Er war über eine Steueraffäre gestolpert.

Der tränenreiche Abschied sagt viel über die emotionale Verbundenheit zwischen Mentor und Ziehsohn. Sie haben dieselben Wurzeln, beide sind McKinsey-Gewächse. Berater Appel fiel Zumwinkel positiv auf, als er einen Auftrag für die Deutsche Post abwickelte. Im Jahr 2000 holte ihn Zumwinkel dann in den Posttower. Er betraute ihn mit wichtigen Aufgaben von Logistik bis Kundenzufriedenheit und machte ihn so peu à peu vorstandsfit.

"Ohne Mentor schafft es niemand nach ganz oben", erläutert Nicole Dornhöfer, Leiterin Talentmanagement der Managementberatung Hewitt. In Gesprächen mit Vorständen hört sie oft: "Mein Mentor war es, der mir auf dem Karriereweg die nützlichsten Impulse gab."

Mentoren gibt es schon so lange, wie es die Menschheit gibt. Als Odysseus in den Kampf gegen Troja zog, legte er die Erziehung seines Sohns Telemach in die Hände seines guten Freundes Mentor. Dessen Name wurde zum Synonym für den väterlichen Ratgeber. Als Instrument der Personalentwicklung kam Mentoring in den 70er-Jahren in den USA auf. Vor zehn Jahren schwappte der Trend auch nach Deutschland über. Die Deutsche Bank etwa hat heute weltweit 40 verschiedene Mentorenprojekte laufen.

Fakt ist: Firmen, die Mentoring gezielt fördern, sind erfolgreicher. So sind Patenschaften heute in 71 Prozent der US-Top-Unternehmen "Fortune 500" Usus. Dagegen haben nur 40 Prozent aller anderen Firmen Mentorenprogramme, ergab eine Hewitt-Studie.

Gutes Mentoring zahlt sich aus - für alle Beteiligten: Es verbessert Gehalt, Karrierechancen, Wissensfluss, Motivation und die Bindung an das Unternehmen. Eine Fünfjahresstudie des Forschungsinstituts Gartner mit 1 000 US-Arbeitnehmern untermauert dies: 25 Prozent der Paten (Mentees) kletterten mindestens eine Gehaltsklasse höher, aber nur fünf Prozent ihrer Kollegen ohne Mentor. Mentees wurden fünfmal so häufig befördert - die Mentoren sogar sechsmal so oft. Zudem blieben beide ihrem Betrieb länger treu, was klar die Kosten senkt.

Seite 1:

Steighelfer für junge Manager

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%