Merck-Chef Römer
Bloß keine Heuschrecke

Michael Römer kann reden wie ein Wasserfall: zum Beispiel wenn es um Technik geht, um neue Verfahren, um Moleküle. Und Michael Römer kann schweigen: etwa wenn es um Strategie und Akquisitionen geht.

FRANKFURT. "Darüber reden wir nur, wenn es wirklich etwas zu sagen gibt", beschied er neugierigen Journalisten Anfang des Jahres, auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz als neuer Chef des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck.

Einige Wochen später kam dann der Tag, an dem Römer tatsächlich etwas zu sagen hatte. Einer verdutzten Finanzwelt präsentierte er am 13. März die feindliche Übernahmeofferte für den Berliner Schering-Konzern. Ein Schachzug, wie ihn die konsensverwöhnte deutsche Pharmabranche bis dahin nicht erlebt hat und schon gar nicht von dem stillen und scheinbar behäbigen Darmstädter Familienunternehmen erwartet hätte.

Der Traum vom Quantensprung in der deutschen Pharmabranche war für Merck schnell ausgeträumt: Keine zwei Wochen später übertrumpfte Bayer die Offerte der Darmstädter und einigte sich mit Schering auf eine freundliche Übernahme. Artig gratulierte Römer Bayer-Chef Werner Wenning damals zum Erfolg.

Dass Merck zwei Monate später mit dem Kauf von Schering-Aktien die Übernahme durch Bayer ins Wanken brachte und den Leverkusenern schließlich einen kräftigen Aufschlag auf den Angebotspreis abringen würde - das alles hat Römer Ende März vermutlich selbst kaum geahnt. Ein derart kaltschnäuziges Manöver will nicht passen zu diesem höflichen Mann, den seine Mitarbeiter als eher lockeren Manager schätzen, der wenig hält von CEO-Gehabe und verbissenem Ehrgeiz.

Römer selbst beschreibt sich mitunter als Vereinsmenschen, als Genießer und hessischen "Grundoptimisten", der am Wochenende gelegentlich im heimischen Tennisclub Würstchen brutzelt.

Die Zeiten, wo er in der Jugendmannschaft von Kickers Offenbach mitspielte, sind zwar lange vorbei. Aber auf der Skipiste könne er mit seinen erwachsenen Kindern durchaus noch mithalten, "dank der besseren Technik". Als Abiturient habe er sich vorgenommen, nie Karriere zu machen. Und als Student wollte er eigentlich immer in die Schweiz gehen. Aber sein Doktorvater an der TU Darmstadt empfahl dem jungen Chemiker, doch einmal bei Merck anzuklopfen. Dort verdiente er sich die ersten Sporen im Zentrallabor.

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