Merck, Intel, Under Armour US-Manager bieten Trump die Stirn

Merck, Intel, Under Armour: Aus Protest gegen Trumps Verharmlosung der Charlottesville-Attacke ziehen sich immer mehr Manager als Berater des US-Präsidenten zurück. Auch eine späte Reaktion Trumps ändert daran nichts.
Update: 15.08.2017 - 07:19 Uhr 16 Kommentare
Der CEO von Merck und Co (Mitte) neben Donald Trump: Frazier trat aus Protest gegen Trump aus einem Beratergremium des Präsidenten zurück. Quelle: AP
Donald Trump mit Kenneth Frazier

Der CEO von Merck und Co (Mitte) neben Donald Trump: Frazier trat aus Protest gegen Trump aus einem Beratergremium des Präsidenten zurück.

(Foto: AP)

New YorkKenneth Frazier tritt als Berater von Donald Trump zurück. Der Chef von Merck & Co, dem zweitgrößten Pharmakonzern der USA, kritisiert den Präsidenten für seine Haltung bei den Ausschreitungen bei Demonstrationen von Ultrarechten am vergangenen Wochenende. Als „Vorstandschef“ und „aus persönlichem Gewissen“ müsse er sich „gegen Intoleranz und Rassismus“ stellen.

Für Aufsehen in der amerikanischen Geschäftswelt sorgt die Reaktion von Trump. Nur kurze Zeit nach dem Rücktritt griff er Frazier auf Twitter an: „Jetzt hat er mehr Zeit, die betrügerischen Preise von Medikamenten zu senken“.

Einige Stunden später beugte sich Trump aber dem Druck: Nach einem Treffen mit dem FBI-Chef Christopher Wray und Justizminister Jeff Sessions verurteilte er explizit die ultrarechten Parteien, was er zuvor nicht getan hatte: „Rassismus ist böse“, schrieb der Präsident. „Wir sind eine Nation, die auf der Wahrheit gebaut ist, das wir alle gleich geschaffen sind“. Der Seitenhieb auf Frazier basiert auf einer Vorgeschichte.

Seit einigen Jahren steigen die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA. Das Thema machte sich Trump im Wahlkampf zu eigen. Pharmakonzerne würden „mit Mord davon kommen“, sagte er im vergangenen Januar, kurz vor seinem Amtsantritt als Präsident. Trotzdem berief er Frazier ins American Manufacturing Council, das den Präsidenten über Arbeitsplätze und Initiativen in der verarbeitenden Industrie der USA berät.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Merck & Co gilt mit knapp 40 Milliarden Dollar Umsatz als eines der angesehensten Unternehmen der Branche. Als Manager besitzt Frazier einen guten Ruf, er gilt als Chef, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Auf Presseterminen saß er oft direkt neben Trump, was eine gewisse herausgestellte Position in dem Beraterkreis des Präsidenten andeutete.

Der Manager verkörpert den amerikanischen Traum, kommt er doch aus einfachen Verhältnissen. Der Vater des Afro-Amerikaners arbeitete als Hausmeister. Seine Mutter starb, als er zwölf Jahre alt war. Gegen alle Widrigkeiten setzte sich Frazier durch. Er studierte Jura an Harvard, wurde Partner in einer Anwaltskanzlei in Philadelphia. 1992 wechselte er zu Merck & Co, dem zweitgrößten Pharmakonzern der USA mit knapp 40 Milliarden Dollar Umsatz. Der Jurist stieg im Konzern auf, wurde 2011 Vorstandschef und Chairman.

Mit Frazier verlor Trump nicht den ersten CEO – und auch nicht den letzten: In der Nacht zum Dienstag haben zwei weitere Konzernchefs ihren Dienst in einem Beratergremium des Präsidenten quittiert – auch aus Protest gegen dessen Reaktion auf die rechtsextreme Gewalt in der US-Stadt Charlottesville. Auf Frazier folgten jetzt die Unternehmenslenker von Intel und Under Armour, Brian Krzanich und Kevin Plank.

Die beiden Vorstandschefs teilten ihren Rückzug aus einem Gremium, das den Präsidenten in Industriefragen berät, via Firmenblog beziehungsweise Twitter mit. „Ich trete zurück, weil ich Fortschritte machen möchte, während viele Leute in Washington mehr damit beschäftigt zu sein scheinen, jeden zu attackieren, der nicht mit ihnen übereinstimmt“, begründete Krzanich seinen Schritt.

Im vergangenen Juni kehrten sowohl Bob Iger vom Medienkonzern Disney als auch Elon Musk von Elektroautohersteller Tesla Trump den Rücken, als er aus dem Pariser Klimaabkommen austrat. Travis Kalanick verließ bereits im Februar aus Prostest das Weiße Haus, noch bevor er als Chef des Fahrdienstes Uber zurücktrat.

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16 Kommentare zu "Merck, Intel, Under Armour: US-Manager bieten Trump die Stirn"

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  • Jeden Tag richtet Trump mehr Schaden an. Der Mann ist eine Zumutung. Wann kommt der Nazi-Präsident endlich in den Knast?

  • Herr Trump ist gewählt und die Politik muß mit ihm arbeiten. Der Franzose hat das begriffen und hat den Mann freundlich empfangen und wie ist das in der dunkel EU ? Eine Beleidigung nach der Anderen. Leute die nicht verlieren können, weil sie eben keine Demokraten sind. Mit der amerikanischen Wahl ist die Sache entschieden und nicht was Frau Dr. Merkel und ihre Lakaien meinen ist maßgeblich.

  • Die Erfolge von Trump sind nicht von der Hand zu weisen, dank des amerikanischen SYSTEMS hat Trump diese Handhabe und Möglichkeiten gewisse Dinge umzusetzen. Grundsätzlich halte ich flache Hierarchien - und eben vor allem oder besonders in der Politik - für vorteilhaft und entscheidungsstärker, nur Herr Spiegel das Problem ist immer: WER steht letztendlich an der Spitze. Je totalitärer eine solche Machtposition beschrieben ist, desto mehr kann ich damit erreichen, dazu muss ich nicht Trump heißen, diese Möglichkeiten bieten mir die Grundgesetze des jeweiligen Landes an. Und ich darf Ihnen sagen, dass ich als grundlegen demokratisch veranlagter Mensch Herrn Trump für überflüssig und gefährlich halte, was grundsätzlich auf alle Menschen zutrifft die sehr kurzfristig denken und für gewöhnlich erst Reden bevor sie überhaupt Denken. Besseres aktuelles Gegenbeispiel für mich persönlich stellt Herr Putin dar, idealerweise möchte ich mich - wenn ich die Wahl hätte - für einen Senat wir Rom in hatte aussprechen, mit Anführern die - neben zugegeben expansionistischen Gedanken - vor allem für nationalen Wohlstand, Fortschritt und Mitspracherecht standen. Und somit hat Herr Schönenberg für mich zumindest in einem Punkt Recht: Trump ist ein Problem, die Innenräume seines Schädels sind dekoriert mit mittelalterlichen Problemlösungen und wie wir wissen, was das Mittelalter eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Europas.

  • Herr Hans Schönenberg@Die polnische Gasversorgung,, der Dicke in Korea ist eingeknickt, Frau Merkel ist kaltgestellt, die Saudis haben über 300 Milliarden gezahlt, die Europäer werden ihren Wehrhaushalt erhöhen, in Syrien gibt es Zonen mit Waffenstillstand, Daß der Systemtreue das nicht gerne zur Kenntnis nimmt ist klar.

  • Hallo, Herr Spiegel,
    dann sagen Sie mir doch ein Problem, welches Herr Trump bisher gelöst hat. Bisher wurde von ihm nur Chaos erzeugt. Herr Trump ist das Problem.

  • Trump, Putin,Erdogan, Orban u.s.w. sind gewählte Leute die Probleme lösen. Das stört natürlich die System-Schreiberlinge, da sie nichts dergleichen zu bieten haben.

  • Trump ist kein Politiker. Er ist auch kein Demokrat. Er verfolgt schlichte Interessen: seine eigenen Geschäfte stärken, die Rechte von Arbeitern schleifen, den Sozialstaat zerstören. Zwei Gruppen unterstützen ihn bei diesen Zielen am leidenschaftlichsten: Die Rechtsradikalen. Und Russland.

  • Bei aller selbstbezogener ideologischer Diskussion sollte man die Fakten vor Ort in Charleston nicht außer Acht lassen. Hat dort vielleicht ein Anhänger Trumps in dessen Namen einen teroristischen Mord begangen? Das FBI wird den Vorgang hoffentlich klären.

    Die Rechtsberater im Weißen Haus werden wissen, warum sie Trump zu seiner ungewohnten Erklärung bewegt haben.

    Ich kann jedenfalls nachvollziehen, wenn sich Wirtschaftsführer von so etwas distanzieren.

  • Herr schulz: Sie haben offensichtlich den Artikel gar nicht gelesen, sonst hätten Sie gemerkt, dass der Einzige, der hier mit irgendeiner "Nazi-Keule" durch die Gegend schwingt, Sie selber sind. Das Wort "Nazi" wird im Artikel nicht ein einziges Mal benutzt. Erbärmlich, nicht wahr?

  • Da schwingt sie wieder die Nazikeule...wenn selbst die Russen nicht helfen, dann eben die Nazikeule...es ist inhaltslos und erbärmlich....

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