Merrill, Lynch & Co
Das zweite Leben des Charles Edward Merrill

Als Charles Edward Merrill sich daran macht, eine zweite Karriere zu starten und die Welt zu verändern, ist er in einem Alter, in dem andere an ihren Ruhestand denken. Merrill ist 54 und gewohnt, dass man über ihn spricht. Seine drei Ehen und unzählige Affären füllen die bunten Seiten der Zeitungen, sein geschäftlicher Erfolg deren Wirtschaftsteile. Merrill ist es gewohnt, Erster zu sein, in jeder Hinsicht.

DÜSSELDORF. Charles Edward Merrill ist ein Junge aus Florida, aufgewachsen in armen Verhältnissen, vom College abgegangen, weil seine Familie es sich nicht mehr leisten konnte. Mit 31 war er reich, und den Weg an die Wall Street hat er trotzdem gefunden. Seine Idee, Kraftwerke zu versichern, hatte sich als außerordentlich einträglich erwiesen.

Die zweite Karriere beginnt im Januar 1914: Im Alter von 54 gründet Merrill eine Bank, Sitz in der Wall Street, New York. Wenig später holt er sich einen Freund als Partner ins Haus: Edmund C., genannt "Eddi" Lynch, ein ehemaliger Verkäufer. Die Bank heißt nun Merrill, Lynch & Co., damals noch mit Komma zwischen den Namen.

Merrill hat ein großes Ziel: Er will den Handel an der Wall Street demokratisieren. Als erster, standesgemäß also. Er baute eine der ersten durch Draht verbundenen Brokerage Firmen in den Staaten auf, deren Dependancen in verschiedenen Städten durch einen Fernschreiber mit dem Hauptsitz verbunden waren.

Ein paar Jahre später wird er einer der ersten Wall Street-Bankiers sein, der den Schwarzen Donnerstag von 1929, den folgenreichsten Börsenkrach der Geschichte, voraussagt. Jetzt ist Merrill der erste, der öffentlich sagt, der Aktienmarkt dürfe nicht länger ein Spielzeug nur für Wall Street-Insider sein, er müsse für die breite Masse geöffnet werden. Mit Hilfe seiner Bank will er das erreichen. Es ist ein Experiment.

Schließlich ist in etwa das herausgekommen ist, was Merrill sich erhofft hatte: Die Hälfte aller US-Haushalte investiert heute, 1945 waren es gerade 16 Prozent. Nur schnell ist es nicht gegangen, Merrill hat es nicht mehr erlebt. Er starb als desillusionierter Mann. Die Wall Street folgte seinem Beispiel nicht. Die Menschen im Land, noch immer verunsichert von den Verletzungen der Depression, waren nicht bereit, wieder zu investieren.

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