Messechef Jochen Witt
Kölscher Klüngel

Jochen Witt versteht die Welt nicht mehr. Der Chef der Köln-Messe sieht sich wegen eines verkorksten Immobiliengeschäfts in der Domstadt zum Sündenbock abgestempelt. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann er von der Spitze einer der größten deutschen Messegesellschaften abtritt.

KÖLN. Es geht um ein Millionengeschäft, das in Köln schon für einigen Wirbel gesorgt hat: den Verkauf der alten Rheinhallen und den Bau neuer Messegebäude in der Nachbarschaft. Witt hatte damals den Plänen nur zähneknirschend zugestimmt, nachdem die Stadt dem Investor eine Mietgarantie gegeben hatte.

Das Immobiliengeschäft blieb nicht ohne Folgen: Die EU-Kommission sah sich veranlasst, wegen der Neubauten ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten. Und die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen den Aufsichtsratschef der Messe, den Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU).

Nun geht es um Witts Zukunft. Der Vertrag des 56-Jährigen, der im September 1998 zur Köln-Messe kam, läuft 2008 aus und muss noch in diesem Jahr verlängert werden. Doch der Hauptgesellschafter der Messe, die Stadt Köln, hat ihm offenbar das Vertrauen entzogen. Und er fühlt sich angezählt.

Vor dem Finanzausschuss der Stadt Köln hatte Witt darauf hingewiesen, dass die Messe wegen der hohen Mieten für die neuen Hallen bis 2011 insgesamt knapp 39 Millionen Euro Verlust erzielen werde. Zwar könnten die Verluste aus den Rücklagen ausgeglichen werden. Danach müsse aber die Stadt einspringen, sollte die Messe die Miete nicht selbst verdienen. "Ich habe nur die Hose heruntergelassen, auch wenn sie schmutzig ist", sagte Witt, von Beruf Rechtsanwalt, dem Handelsblatt.

Schramma und Lokalpolitiker-Kollegen taten entsetzt und rückten von Witt ab. Hatten sie sich doch von dem Neubau glänzende Messegeschäfte versprochen. Die Miete sei nicht der einzige Grund für das von Witt prognostizierte Minus, kritisierten sie. Vielmehr gebe es "Defizite, die sich durch das operative Geschäft erklären lassen", sagte Schramma. In den lokalen Medien wurden schon Nachfolger für Witt gehandelt. Inzwischen habe es aber Gespräche zwischen Schramma und Witt gegeben, sagte ein Sprecher des OB auf Anfrage. Die Spannungen seien weitgehend bereinigt worden - aber offenbar nicht weit genug. Denn Witt scheint angeschlagen.

Er macht jedenfalls aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. "Ich habe mir Rückenwind erwartet", sagt er, "nachdem wir in Köln eine Menge bewegt haben." Rund 40 neue Messen hat Witt ins Leben gerufen. 2006 hat Witt sogar die eigene Planung übertroffen, nicht ein Minus von drei Millionen nach Steuern, sondern voraussichtlich ein Plus von drei Millionen Euro abgeliefert. "Die Ergebnisverbesserung resultiert allein aus dem operativen Geschäft", betont Witt, der den Messe-Weltverband UFI leitet. Das Messegeschäft laufe gut.

Doch das könnte sich schnell ändern. Der "kölsche Klüngel" ist schlecht fürs Geschäft. "Das Image des Messeplatzes leidet unter den aktuellen Vorgängen", bestätigt Witt. Konkurrenten wollen Veranstaltungen abwerben. Aussteller sind verunsichert. Köln wartet auf eine Entscheidung - von Schramma oder auch von Witt.

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