Messtechniker auf Erfolgskurs
Wenn Kleine sich mit den Konzernen messen

Mittelständische Messtechniker liefern ihre Produkte oft an sehr große Unternehmen. Mit wenig Personal stellen sie Maschinen her, die sogar Weltkonzerne kaufen. Das Größenverhältnis erzeugt Druck auf die Kleinen. Doch fertigungskritische Produkte steigern ihre Verhandlungsmacht.

KÖLN. Hartnäckig und zuverlässig: So müssen Unternehmer sein, die in der Messtechnik-Branche Erfolg haben wollen. Die Eigenschaften fallen jedenfalls Thomas Fries ein - und als Geschäftsführer der Fries Research & Technology (FRT) GmbH, einem kleinen Hersteller von Oberflächenmessgeräten aus Bergisch-Gladbach, weiß er genau, wovon er spricht.

Zum Beispiel, wenn es darum geht, seine Sensoren zu verkaufen: Ein halbes Jahr lang habe der US-amerikanische Computertechnikhersteller Intel ein System von FRT ausprobiert, die Bücher der Gesellschaft geprüft und hunderte Szenarien durchgespielt, bevor sie es schließlich geordert haben. "Wir müssen halt Geduld haben und den Konzernen zeigen, dass wir ein ernst zu nehmender Partner sind, auch wenn wir nur 30 Mitarbeiter haben", sagt Fries. Denn der lange Atem zahlt sich aus: "Wenn man einmal das Vertrauen hat, hat man's gepackt. Dann ist man jahrelang als Zulieferer gesetzt."

Den Mechanismus kennen viele Messtechnik-Unternehmen. Rund die Hälfte der 700 deutschen Hersteller, die zusammen 20 bis 22 Mrd. Euro Umsatz im Jahr erzielen, hat schließlich laut ihres Fachverbands AMA weniger als 50 Mitarbeiter. Und mit diesem kleinen Personalbestand stellen sie Maschinen her, die sogar Weltkonzerne kaufen. Das Größenverhältnis erzeugt Druck auf die Kleinen. Andererseits können sie auch selbstbewusst verhandeln: Denn ohne ihre komplizierten Produkte könnte die moderne industrielle Produktion nicht funktionieren. Was im Ernstfall heißt: Fällt das System aus, stünde ohne Notfallplan manches Fließband still.

"Kaum eine Fertigung kann heute ohne Messtechnik auskommen", bestätigt Peter Herbert Osanna, Professor am Institut für Fertigungstechnik der Technischen Universität Wien. Er schätzt, dass weltweit Umsätze in der Höhe von bis zu hundert Milliarden Euro direkt von Messtechnik abhängen. Wichtig ist sie im Maschinenbau, bei der Produktion von Mikroskopen, in der Waffenherstellung und in der Chemie.

Auch wenn ein Auto gebaut wird, sind Tausende Messgeräte im Einsatz, wie das Beispiel der Produktion des Audi A3 am Ingolstädter Stammsitz des Herstellers zeigt. Allein im Presswerk und im Karosseriebau überwachen 160 Sensoren die Fertigung. Wer zuschaut, wie die Karosserie in einem Gehänge langsam durch die Fabrik fährt, kann den Ablauf der Produktion leicht nachvollziehen. Zuerst werden die großen Stahlteile zusammengefügt, dann die Übergänge verschweißt.

Viele wichtige Arbeitsschritte bleiben auf den ersten Blick unsichtbar. Damit etwa die Karosserieteile später einen stabilen Aufbau für einen Audi A3 bilden, überprüfen Messtechnik-Systeme jeden Schritt. Optische Sensoren und Ultraschall testen die Schweißnähte, Laser schauen auf den hundertstel Millimeter genau nach - so wird kontrolliert, ob die Produktion nach Plan läuft.

Gleichzeitig stellt die Messtechnik sicher, dass die Qualität des Endprodukts stimmt. "Der gezielte Einsatz von Messtechnik erhöht die Effizienz und Effektivität des Gesamtprozesses erheblich", sagt Martina Weidinger, Leiterin der Qualitätssicherung im Bereich Umformteile und Serienmesstechnik: "Entsprechende System sind in unserer Produktion deshalb nahezu überall im Einsatz."

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