Metro-Chef Hans-Joachim Körber
Der deutsche Drache

Hans-Joachim Körber hat aus der Metro den internationalsten Handelskonzern der Welt geformt. Von Rumänien bis nach Schweden, von Russland bis nach China erstreckt sich das Reich der Metro. Wie der Konzern von der Globalisierung profitiert und künftiges Wachstum sichert - eine Handelsblatt-Reportage.

PEKING. Der Pinsel taucht in die rote Farbe. Mit dicken Strichen malt Hans-Joachim Körber das Auge des Löwen aus und erweckt ihn so zum Leben. Das Raubtier, in dem zwei Akrobaten stecken, springt wild durch die Gegend und trifft am Eingang des Großmarkts auf vier Artgenossen und einen Drachen. 15 hoch gewachsene, ganz in Rot gekleidete Chinesinnen erscheinen mit einem Band, das Körber nun mit 14 anderen Würdenträgern durchtrennt. Jetzt noch Tusch, Konfetti und deutsche Marschmusik. Der Metro-Cash-&-Carry-Markt Shilihe im Südosten Pekings ist eröffnet. Es ist Mittwoch, der 1. November 2006, 14.30 Uhr. Willkommen im Reich von „Mei-de-long“, dem „deutschen Drachen“, willkommen im Reich der Metro in China.

Exakt 24 Stunden zuvor und sieben Zeitzonen entfernt: Metro-Konzernchef Körber, begleitet von seiner Kommunikationschefin Petra Rob, erläutert Wirtschaftsjournalisten an diesem Dienstagmorgen um 7.30 Uhr in der Metro-Zentrale im Düsseldorfer Stadtteil Grafenberg, dass die Gruppe ihren Umsatz im dritten Quartal um gut sechs Prozent auf 14 Milliarden Euro erhöht hat. Allein, und unter dem markanten Schnauzbart verzieht Körber leicht den Mund, das Wachstum komme ausschließlich aus dem Ausland. In Deutschland haben die Cash-&-Carry-Großmärkte, die SB-Warenhäuser Real, die „Extra“-Supermärkte, die Elektroketten Saturn und Media Markt und auch die Kaufhof-Kaufhäuser leicht an Umsatz eingebüßt.

„Die allgemeine Konjunkturbelebung findet bislang nicht im Portemonnaie der Verbraucher statt“, stellt Körber vor den Journalisten fest. Obwohl Wirtschaftsforscher seit langem voraussagen, dass die Deutschen vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer noch einmal ordentlich konsumieren: In den Kassen von Metro, Karstadt und Co. ist das bis jetzt nicht zu spüren. Das Konsumklima bleibt so trüb wie das durch den Nieselregen schimmernde Dämmerlicht vor dem Konferenzraum.

Ganz anders im Ausland. Von Rumänien bis nach Schweden, von Russland bis nach China – außerhalb Deutschlands wächst die Metro mit einer Rate von knapp zwölf Prozent pro Jahr. Und so ist aus dem deutschen Handelshaus, das 1996 noch 95 Prozent seiner Erlöse in Deutschland erzielt hat, innerhalb einer Dekade der mit Abstand internationalste Handelskonzern der Welt geworden. Nur noch rund 43 Prozent des Umsatzes von voraussichtlich 59 Milliarden Euro in diesem Jahr wird die Metro zwischen Flensburg und Passau einnehmen. In zehn Jahren, so glaubt Körber, sinkt der deutsche Anteil auf ein Viertel. „Wir müssen mit unseren Märkten dahin, wo das Wachstum in der Welt ist“, erläutert er und inspiziert die Fischabteilung in seinem neuen Pekinger Markt.

Mit seinen 1,94 Meter Körpergröße überragt der ehemalige Wasserballer von Spandau 04 bei der Markteröffnung in Peking nicht nur alle anwesenden Chinesen um einen Kopf. In seinem dunkelblauen Anzug mit floraler Krawatte und Einstecktuch, das Hemd am Kragen von einem Metallstift zusammengehalten, spult der 60-Jährige sein Programm routiniert ab. In für Pekinger Verhältnisse ungewohnt sauberer Luft – wegen des Afrika-Gipfels an jenem Wochenende wurden die Fabriken der Stadt stillgelegt und der Autoverkehr halbiert – lobt er vor den anwesenden Regierungsvertretern die Baufortschritte für die Olympischen Sommerspiele 2008, kündigt weitere Investitionen an und zeigt auf, was die Metro in den vergangenen zehn Jahren in China alles für Land und Leute getan hat.

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