Metro
Trennung von Media-Saturn keine Option

Metro hat mehr als nur eine Baustelle: Das Unternehmen leidet unter der Ukraine-Krise. Zudem belastet der Machtkampf um Media-Saturn den Konzern. Dennoch hat der Aufsichtsrat dem Vorstand den Rücken gestärkt.
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DüsseldorfBeim Handelsriesen Metro steht trotz des Streits mit Minderheitseigner Erich Kellerhals keine Trennung von Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn an. Banken hätten Optionen für die Zukunft der Kette geprüft, sagte Metro-Chef Olaf Koch am Freitag bei der Hauptversammlung in Düsseldorf. Sie hätten mehrere Möglichkeiten auf den Tisch gelegt, doch habe sich keine davon als erfolgversprechend erwiesen.

Von Kellerhals und Metro beauftragte Banken hatten Optionen für die Zukunft der Kette ausgearbeitet – Branchenkreisen zufolge hatten diese auch einen Börsengang, eine Abspaltung (Spin-Off) oder einen Verkauf umfasst. Minderheitseigner Kellerhals und Metro liefern sich seit Jahren einen erbitterten Machtkampf um das Sagen bei Media-Saturn. Gegenseitige Vorwürfe sind dabei ebenso an der Tagesordnung wie juristische Auseinandersetzungen. Kellerhals, einer der Gründer der Elektrohandelskette, hält zwar nur knapp 22 Prozent an Media-Saturn, hat aber umfassende Veto-Rechte. Metro sind diese ein Dorn im Auge – der Konzern versucht, sie auszuhebeln.

Trotz des Dauerstreits und des über Jahre dümpelnden Aktienkurses hat der Aufsichtsrat dem Vorstand ausdrücklich sein Vertrauen ausgesprochen. „Die Arbeit des Vorstands ist zukunftsweisend“, sagte Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel. Der Aufsichtsrat sei zuversichtlich, dass der Vorstand den Konzern auch im laufenden Geschäftsjahr voran bringen werde. Der Umbau des Handelsriesen sei aber noch nicht abgeschlossen. Auch Vorstandschef Koch sagte: „Wir sind immer noch im Wandel.“ Der Umbau sei ein Marathon, bekräftigte er – dieser sei „holpriger und länger“ ausgefallen als erwartet.

Der Aufsichtsrat hatte Kochs Vertrag erst im vergangenen Jahr bis September 2018 verlängert. Der Metro-Chef hat aber noch immer zahlreiche Baustellen vor sich. Pläne für einen Teil-Börsengang des russischen Großmarktgeschäfts musste er angesichts des Ukraine-Konflikts auf Eis legen. Die Metro-Großmärkte, die knapp die Hälfte des Geschäfts ausmachen, sind zudem stark abhängig von Russland – und leiden unter der anhaltenden Rubel-Schwäche.

Auch die Zukunft der Warenhauskette Kaufhof unter dem Metro-Dach hatte Koch zur Disposition gestellt. Die Spekulationen um Kaufhof haben angesichts der Übernahme des mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpfenden Wettbewerbers Karstadt durch den Immobilien-Investor Rene Benko neue Nahrung erhalten. Benko hatte in der Vergangenheit bereits erfolglos die Fühler nach der Metro-Tochter ausgestreckt. Kaufhof habe sich aber zur „Perle“ im Metro-Portfolio entwickelt, bescheinigt Koch nun der Warenhaus-Kette.

Größter Einzelaktionär des Düsseldorfer Handelsriesen ist die Duisburger Familienholding Haniel, die rund 30,01 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinigt. Franz Markus Haniel ist auch dort Aufsichtsratschef. Die Duisburger hatten immer wieder die Kursentwicklung ihrer Beteiligung beklagt. Waren die Metro-Anteilsscheine Ende 2010 etwa noch knapp 60 Euro wert, sind es derzeit rund 30 Euro je Aktie. Haniel-Chef Stephan Gemkow hatte von Koch Wachstum und Margenverbesserungen verlangt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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