Mexikos Zentralbankchef
Guillermo Ortiz: Der Unabhängige

Mexikos Zentralbankchef Guillermo Ortiz gilt als Garant für eine stabile wirtschaftliche Lage. Sein Finanzmanagement sei neben günstigen Rahmenbedingungen dafür verantwortlich, dass Mexiko stabile makroökonomische Daten aufweisen kann, sagen Experten. Allerdings haben sich die günstigen Aussichten in den vergangenen Monaten eingetrübt.

MEXIKO-STADT. Besonnen, meist im Hintergrund zieht Zentralbankchef Guillermo Ortiz von seinem Büro im Herzen Mexiko-Stadts aus seit zehn Jahren wichtige Fäden in der mexikanischen Finanzpolitik. Experten loben die hervorragenden Wirtschaftskenntnisse des 60-Jährigen und seine Fähigkeit, dunkle Wolken am Himmel früher aufziehen zu sehen als andere.

Ortiz, der mit 29 Jahren an der US-Universität Stanford über den Zusammenhang von Kapitalakkumulierung und Wirtschaftswachstum in Mexiko promovierte, hat in seiner Heimat schon schwerere Stürme gemeistert, als dass ihn die jetzt steigende Inflation oder Druck aus dem Präsidentenpalast aus der Ruhe bringen könnte. "Er war es, der als Vize-Finanzminister die Tequila-Krise von 1994 als Erster vorhergesehen hat", sagt Rogelio Ramírez de la O, Chef der Investment-Beratungsgesellschaft Ecanal. Verhindern konnte Ortiz den Zusammenbruch aber nicht.

Damals verlor der Peso innerhalb weniger Tage 60 Prozent seines Wertes, die Zinsen schossen in astronomische Höhen. Die Inflationsrate schnellte auf mehr als 50 Prozent. Viele Banken gerieten an den Rand des Zusammenbruchs und konnten nur mit staatlichen Zuschüssen in Milliardenhöhe gerettet werden. Diese Aufgabe übernahm Ortiz als Finanzminister zwischen 1994 und 1997, bevor er als Präsident zur Banco de México (Banxico) wechselte. Seine größte Herausforderung habe darin bestanden, der Zentralbank wieder Glaubwürdigkeit zu verleihen, sagt er heute.

Dieses Ziel vor Augen verficht Ortiz eine harte Linie. "Seine Aufgabe ist es, die Teuerungsrate niedrig zu halten und dem ordnet er alles unter", sagt Rodolfo Navarrete, Chefanalyst beim Investmenthaus Vector. Da das bei weltweit steigenden Rohstoff- und Ölpreisen schwer ist, hat der Banxico-Boss dieses Jahr schon drei Mal die Zinsen jeweils um einen Viertelpunkt erhöht, zuletzt auf 8,25 Prozent. Dass der Peso dadurch auf ein Sechsjahreshoch geklettert ist und die Exporteure stöhnen, nimmt Ortiz in Kauf.

Als Präsident Felipe Calderón die Zentralbank Ende Juni aufforderte, die Zinsen zu senken, um die schleppende Konjunktur anzukurbeln, reagierte Ortiz freundlich gelassen und ließ den Staatschef auflaufen. Denn die Aufforderung untergrub nicht nur die verfassungsrechtlich festgeschriebene Autonomie der Banxico. Es sei ohnehin ein offenes Geheimnis, dass Präsident und Notenbankchef keinen guten Draht zueinander haben, sagen Analysten. Ortiz, der ein scharfer Analytiker von Wirtschafts- und Finanzfragen sei, nehme den Präsidenten bei ökonomischen Themen nicht ernst.

So kritisiert er auch die massiven Subventionen, mit denen die Regierung versucht, die Inflation niedrig zu halten. 150 Basisprodukte werden über Preisabsprachen, Subventionen oder Direktzahlungen erschwinglich gehalten. Hauptstreitpunkt ist Benzin, das dank staatlicher Zuzahlungen umgerechnet 0,50 Euro pro Liter kostet. Einem Wirtschaftsliberalem wie Ortiz ist dies ein Dorn im Auge.

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