Michael Arrington ist einer der neuen Stars im Silicon Valley
Mr. Money und die Weblogs

Google will die Videofilme-Plattform Youtube übernehmen. Und wer meldete es als Erster? Wieder einmal Michael Arringtons Informationsdienst Techcrunch – einer der neuen Stars im Silicon Valley. Kehrseite des Erfolgs: Alle wollen plötzlich bei ihm auf dem Sofa sitzen.

SAN FRANCISCO. Geheuer ist Michael Arringtons Werk deutschsprachigen Nachrichtenagenturen anscheinend noch nicht. Von „einem Internet-Weblog“ schrieb Reuters beispielsweise am vergangenen Freitag. Welches? Egal, ist doch alles nicht richtig seriös. Dabei hat es jenes „Internet-Weblog“ – mal wieder – als Erstes geschrieben: „Gerüchte um Google und Youtube“ war am Freitagabend, 21 Uhr 18 deutscher Zeit, bei Techcrunch zu lesen. Acht Stunden später reagiert das „Wall Street Journal“ – und berichtet von Übernahmeverhandlungen zwischen dem Internet-Konzern und der erfolgreichen Video-Plattform, angeblich soll sie Google 1,6 Milliarden Dollar kosten.

Wieder war Michael Arrington schneller. Und auch wenn sein Informationsdienst Techcrunch in Deutschland nur Szenekundingen ein Begriff ist – in den USA muss niemand mehr von „einem Internet-Weblog“ schreiben: Hinter Techcrunch verbirgt sich eine Sammlung von Weblogs (also Online-Tagebüchern) und Podcasts (Tondokumente als digitale Datei), die jeden Monat mehr als eine Million Besucher anziehen und die nach einem Vierteljahr schon zu einer der wichtigsten Informationsplattformen im E-Geschäft geworden ist.

„Michael ist der neue Guru in Silicon Valley“, sagt Thom Campbell, ein Medienstratege aus San Francisco: „Die gesamte Venture-Capital-Gang klingelt mittlerweile bei ihm durch, bevor sie in ein Start-up investiert.“ Der Ratschlag des 36-Jährigen, der sich den Spitznamen „Mr. Money“ eingeheimst hat, ist derzeit so gefragt wie in den 90er-Jahren ein Aktientipp von Warren Buffett. Dabei hat sich Arrington während der Internet-Blase gehörig die Finger verbrannt. Daraus habe er gelernt, sagt er: „Wir betreiben unser Blog wie ein echtes Geschäft, nicht wie ein Hobby, das schon morgen keiner mehr richtig ernst nimmt.“

Dabei hilft ihm das Jura-Studium, das er an den Elite-Unis Berkeley und Stanford absolvierte. Doch ein Leben als Anwalt war für den Single, der behauptet, 30 Computer in seinem Haus zu haben, nicht erstrebenswert. „Ich habe sehr viel mit Tech-Companys zusammengearbeitet wie Idealab, Netscape, Pixar oder Apple. Als in den 90er-Jahren das Internet und somit die erste Internet-Gründungswelle in Wallung kam, wagte auch Arrington den Sprung in die Selbstständigkeit: „Unser Start-up hieß Real Names, kurz bevor wir an die Börse gehen wollten, platzte die Internet-Blase“, erzählt Arrington.

Eine damals schmerzliche, aber für seine weitere Entwicklung „sehr wertvolle Erfahrung“, wie er selbst sagt. „Damals habe ich geschworen, ein Geschäft auf die Beine zu stellen, das von reellen Zahlen und nicht von möglichen Projektionen lebt.“ Diese Einstellung macht ihn heute, da Silicon Valley eine neue Welle von Internet-Gründungen feiert, so wertvoll. „Michael hat sich schon einmal die Finger verbrannt. Er weiß, dass ein Internet-Business nur dann funktionieren kann, wenn auch die echten Ergebnisse stimmen“, sagt Sarah Radicati, Online-Beraterin aus Los Angeles.

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