Michael Breuer: Wachwechsel am Rhein

Michael Breuer
Wachwechsel am Rhein

Michael Breuers neuer Job ist einer, um den ihn wohl die wenigsten beneiden. Als neuer Sparkassenpräsident muss er die marode Düsseldorfer WestLB retten, die durch falsche Aktienspekulationen und die Krise an den Kapitalmärkten in heftige Turbulenzen geraten ist. Eines ist bereits klar: Viel Zeit bleibt ihm nicht.

DÜSSELDORF. Michael Breuer, der neue Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbands (RSGV), bekam zur Amtseinführung klar signalisiert, was er nicht hat: Zeit. Denn der Wirtschaftsprüfer und frühere Europaminister des Landes Nordrhein-Westfalen wurde am Donnerstag in der Düsseldorfer „Rheinterrasse“ offiziell für den derzeit wohl härtesten Job innerhalb der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe eingeführt. Als Aufsichtsratschef der WestLB muss er die rasche Sanierung der Landesbank umsetzen, parallel dazu ist es unabdingbar, dass er einen Konsens findet zwischen den Reformbemühungen der Landesregierung und den Ängsten der Sparkassen vor dem Verlust ihrer dezentralen Struktur. Wenn sich die Eigentümer – Land und Sparkassen – gegenseitig blockieren, könnte die WestLB zum Sanierungsfall werden.

„100 Tage Schonfrist, wie sonst üblich, werden sie kaum in Anspruch nehmen können“, sagte Günter Rosenke, der Vorsitzende der Verbandsversammlung, in seiner Eröffnungsrede. Und er fügte hinzu: „Um den WestLB-Aufsichtsratsvorsitz beneidet sie heute niemand.“ Wohl wahr, denn die WestLB ist durch fehlgeschlagene Aktienspekulationen und die Krise an den Kapitalmärkten in schweres Fahrwasser geraten. Im vergangenen Jahr geriet sie ins Visier von Finanzaufsicht und Staatsanwaltschaft, die meisten Vorstände inklusive dem ex-Konzernlenker Thomas Fischer mussten ihre Sessel räumen.

Der scheidende „Sparkassenpräsident im Ruhestand“, Karlheinz Bentele, sagte am Donnerstag selbstkritisch rückblickend: „Der größte Misserfolg ist, dass es uns nicht gelungen ist, die WestLB in eine sichere Zukunft zu führen.“ Bentele, der zur Verabschiedung als „großzügig und warmherzig“ beschrieben und dessen „Sangeslust“ gelobt wurde, riet eindringlich zu Fusionen unter den noch sieben Landesbanken, die allesamt mehr oder weniger deutlich unter den Bewertungsverlusten aus der Subprime-Krise leiden. „Ohne Konsolidierung der Landesbanken liegt da ein Mühlstein, der den gesamten Finanzplatz Deutschland nach untern ziehen kann“, warnte Bentele.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) vermied es am Rheinufer auf Konfrontationskurs zu den Sparkassen zu gehen, in Gedanken war er mehr mit Handys, Nokia und Bochum beschäftigt. So sollte er nach der Veranstaltung vor den Fernsehkaneras auch nicht zur Zukunft der WestLB antworten, sondern wurde mit der Frage konfrontiert, ob die Verbraucher den Kauf von Nokia-Handys boykottieren sollten.

Der oberste Sparkassenpräsident aus Berlin, Heinrich Haasis, warb für den Erhalt unabhängiger Sparkassen vor Ort und wandte sich gegen eine Konzernbildung aus Landesbanken und Sparkassen. Weil jede Sparkasse eine eigene Anlagestrategie habe, sei es in der Krise aus der Gruppe heraus nicht zu einem systemischen Risiko gekommen.Die Verbundsysteme seien deshalb „Stabilisatoren“. Obwohl alle um Harmonie bemüht waren, brach sich beim Lunch dann doch der rheinische Frohsinn Bahn. „Die Session ist diesmal kurz“, sagte ein Vorstand. „Ja, nur nicht bei der WestLB, da dauert sie bestimmt wieder länger“, sagte sein Gegenüber.

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