Michael Eisner: Aufstieg und Fall eines der letzten großen Medien-Mogule
Nur widerwillig weicht der Löwe zurück

Ein Leben wie auf der Achterbahn: Unter Michael Eisners gut 20-jähriger Herrschaft wurde der Mäusekonzern Walt Disney zum mächtigen „Magic Kingdom“, das sich für so manchen Mitarbeiter und Aktionär in ein Horror-Szenario a la „Pulp Fiction“ verwandelte.

DÜSSELDORF. Wohl kaum ein anderer Medienmanager hat Belegschaft, Investoren und Analysten dermaßen polarisiert wie der Chef von Disney. Nach einem der schmutzigsten Grabenkriege der Branche – teilweise vor Gericht ausgetragen – räumt Eisner nun widerwillig seinen Chefsessel. Erst eine offene Aktionärsrevolte unter der Führung des verbitterten Disney-Erben Roy Disney und unverholene Feindschaft von strategischen Partnern wie Pixar-Chef und Apple-Gründer Steve Jobs zwangen den Medien-Machiavelli Eisner letztlich in die Knie.

Alles hatte vielversprechend begonnen. Als Eisner 1984 von Paramount zu Disney kam, setzte die Zeichentrick-Company 1,6 Mrd. Dollar um und erwirtschaftete einen kleinen Gewinn. Eisner krempelte Disney um, und 1996 erreichte er seinen Zenit, als er die TV-Senderkette ABC übernommen und die Gewinne verzehnfacht hatte. Eisner, der in seinen zwanzig Jahren bei Disney persönlich über eine Milliarde Dollar verdient haben soll, war unantastbar – der König der Löwen.

Doch interne Kämpfe begannen schon damals, seine Basis zu zerstören. Eisner – so sezierte James Stewart in seinem Buch „The Disney War“ schonungslos – duldete niemanden neben sich, der ihm gefährlich werden konnte. Legendär sind die Auseinandersetzungen mit Michael Ovitz und Jeffrey Katzenberg. Eisner hatte den Kronprinzen Katzenberg als Stellvertreter abgelehnt und seinen besten Freund Ovitz eingesetzt. Als sich Eisner und Ovitz dann überwarfen, wurde Ovitz seinerseits abgesägt und mit 140 Mill. Dollar für ein Jahr Arbeit abgefunden.

Katzenberg kassierte fast 260 Mill. Dollar und gründete die erfolgreichen Dreamworks Studios („Shrek“). Die gingen an die Börse und wurden zu einem der schärfsten Konkurrenten von Disney. Der Niedergang beschleunigte sich, als Eisner selbst Roy Disney aus dem Unternehmen drängte. Er und Ex-Manager Stanley Gold organisierten den Widerstand der Aktionäre. Paralysiert durch die Machtkämpfe litten die Geschäfte des Konzerns zusehends. ABC musste reorganisiert werden, und immer klarer wurde, dass Disney den Zug vom Pinsel zum PC verpasst hatte.

Jetzt überwarf sich Eisner auch noch mit Steve Jobs und Pixar („Findet Nemo“). Pixar forderte mehr Anteile am Profit seiner Filme, die Disney vertrieb. Eisner blieb stur; Jobs – mindestens so egozentrisch wie Eisner – wolle nur weiter mit Disney arbeiten, wenn Eisner weg sei, hieß es zum Schluss. Harvey Weinstein von Miramax („Pulp Fiction“) nutzte die Gunst der Stunde und drohte ebenfalls, mit Disney zu brechen.

Am brutalsten aber schlug Stephen B. Burke zurück. Er war lange als „Golden Boy“ bei Disney gehandelt worden, wechselte aber nach zwölf Jahren bei dem Konzern 1998 frustriert zum Kabelbetreiber Comcast – um Anfang 2004 eine feindliche Übernahmeattacke auf Disney zu starten. Eisner und seine Truppen konnten sie niederschlagen, aber das Ende zeichnete sich ab. Wenig später verlor er sein Amt als President, dann kündigte Eisner halbherzig einen Rückzug als Konzernchef zunächst für 2006 an. Aber die Meute ließ nicht mehr locker.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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