Michael Frenzel erntet Spott und Häme
Tui – das steht für „Tränen unter Investoren“

Das Titelblatt des Geschäftsberichts der Tui zieren zwei schwer erkennbare Fotos: Sie zeigen den Bauch eines Flugzeugs und den Schornstein eines Containerschiffs. Zusammen sollen sie den Eindruck einer runden Sache vermitteln. Wirkt dies nicht, gibt Konzernchef Michael Frenzel Nachhilfe.

HANNOVER. Für alle, die diese Botschaft nicht verstehen, gibt es einen erklärenden Satz: „Ein Konzern, zwei Säulen, viele Gemeinsamkeiten“, steht auf einem der Fotos. Und da viele Aktionäre, die den Geschäftsbericht gestern morgen bei der Hauptversammlung des Touristikkonzerns bekommen, auch das nicht überzeugt, versucht Tui-Chef Michael Frenzel, nachzulegen und sie von den Vorteilen der Zwei-Säulen-Strategie zu überzeugen, der Kombination aus Tourismus und Container-Schifffahrt.

„Auf zwei Beinen steht man nicht nur besser, sondern man läuft auch schneller“, sagt er und wird dabei fast emotional, der sonst so beherrschte und sachliche Manager, der bei allen Aktionärstreffen seine Berichte in aller Ruhe und mit großer Souveränität abspult. Fast eine Stunde redet er gestern in der etwas düsteren Eilenriede-Halle in Hannover, verteidigt sich, erklärt, macht Hoffnung auf bessere Zeiten: 2006 werde es gelingen „die steigende Ertragskraft des touristischen Geschäfts nachzuweisen“ und die „nach 2007“ erwarteten positiven Ergebnisse zu verdeutlichen.

Die Kritik der Aktionäre, die seiner Rede folgt, kann er damit nicht entschärfen. Die entzündet sich vor allem an zwei Punkten: dem niedrigen Aktienkurs des Konzerns und Frenzels teurem Zukauf im vergangenen Jahr: Er erwarb die Container-Linie CP Ships – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als die Frachtraten in den Keller gingen.

Zuvor hatten die Anteilseigner die Zwei-Säulen-Strategie noch begrüßt. Vergangenes Jahr hatte die Tui sich von der Entwicklung zu einem reinrassigen Touristik-Konzern verabschiedet. Zweite lohnende Aktivität soll seitdem die prosperierende Container-Schifffahrt der Tochter Hapag-Lloyd werden.

Vor der gestrigen Hauptversammlung sorgten zudem die Zahlen des ersten Quartals bei Aktionären und Analysten für Unruhe. Und ausgerechnet die WestLB, die über lange Zeit die Weichen bei der Tui gestellt hatte und Karrieresprungbrett für Frenzel gewesen ist, riet, „in der Tui-Aktie Positionen abzubauen“. Es könne sein, dass der Konzern nach einem schwachen Jahr 2005 im laufenden Jahr erneut enttäuschen könnte.

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