Michael Ganal übernimmt das Finanzressort
Reithofer baut BMW-Vorstand um

BMW-Chef Norbert Reithofer macht bei der neuen Strategie auch nicht vor der Führungsriege Halt. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt schafft er zwei zusätzliche Vorstandsressorts und lässt Finanzchef Stefan Krause und Vertriebschef Michael Ganal die Posten tauschen. Für einen der beiden ist dies keine gute Nachricht.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Für Krause bedeutet dies nach Ansicht von Experten einen Karriereknick. Branchenbeobachter vermuten, dass der 45-Jährige damit die Quittung für die nicht immer optimale Währungsabsicherung des Konzerns erhält. Ganals Aufrücken ins exponierte Finanzressort, traditionell das zweitwichtigste im Haus, wird hingegen als deutliche Aufwertung gewertet.

Auch der bisherige BMW-Motorradchef Herbert Diess und der bisherige Leiter der Konzernplanung, Friedrich Eichiner, rücken bei den Bayern auf und übernehmen ab Oktober die neuen Vorstandsressorts Konzern- und Markenentwicklung sowie Einkauf und Lieferantenbeziehungen. Reithofer stellt damit ein Jahr nach seinem Start das Unternehmen in der Führungsspitze neu auf und verschiebt die bisherige Hackordnung im Konzern.

Krause und Ganal waren beide Reithofers Rivalen im Rennen um den Vorstandsvorsitz von BMW, welches der Produktionsfachmann im vergangenen Sommer für sich entschied. Mit der Berufung Ganals zum Finanzchef sendet Reithofer nun ein weiteres Signal an die Märkte. Ganal dürfte als bisheriger Vertriebsmann am besten die Bedürfnisse der Kunden kennen. Der in Weingarten geborene, promovierte Jurist verfügt zudem über Führungserfahrung in anderen Bereichen und Unternehmen. So arbeitete Ganal am Oberlandesgericht München und war als Rechtsanwalt tätig. Nach sechs Jahren im BMW-Vertrieb gab er von 1993 bis 1996 ein Intermezzo beim Luftfahrtunternehmen Dasa, das damals zu Daimler gehörte. Der groß gewachsene 53-Jährige leitete zudem das Motorradwerk in Berlin. Seine Nähe zum Markt könnte im härteren Wettbewerb eine wichtige Bedeutung für die Investoren erhalten.

Auch Krause ist seine neue Aufgabe nicht komplett fremd. Der in Bogota geborene Betriebswirt ist zwar ein reiner Finanzmann, besitzt aber zumindest eine kurze Erfahrung als BMW-Vertriebsleiter in Europa. Der polyglotte Senkrechtstarter spricht sechs Sprachen, ist sehr kommunikativ und fühlt sich auf internationalem Parkett wohl. Dabei wirkt der 45-Jährige für sein Alter erstaunlich abgeklärt und ruhig. Seine diplomatischen Fähigkeiten dürften ihm im Vertrieb nutzen, besonders in der Schlüsselregion Asien.

Als Finanzchef war ihm sein ausgeglichenes Temperament in den Augen von Anlegern und Analysten eher hinderlich. Sie erwarten von BMW mehr Fantasie in Bezug auf die zukünftige Entwicklung und straften die Aktie deshalb ab. Krause folgte dagegen der konservativen Philosophie des bayerischen Unternehmens, Ziele vorsichtig zu setzen, um sie in jedem Fall zu übertreffen.

Doch ist er zu jung, um aufzustecken. Zuletzt war er im Gespräch als Finanzvorstand der Post, blieb aber bei BMW. Meistert er die Vertriebsaufgaben, die Reithofers ambitionierter Absatzplan ihm auferlegen, könnte er mit seinen Erfahrungen im Finanz- und Vertriebsressort den 51-jährigen Reithofer an der Spitze beerben – und an Ganal vorbeiziehen.

Dem bisherigen Motorradchef Diess gelang es, die zwischenzeitlich schwächelnde Sparte durch neue Modelle und ein striktes Effizienzprogramm auf Kurs zu bringen. Das sind gute Voraussetzungen, um Reithofers Vorgabe zu erreichen, die Kosten rigoros zu senken. Eichiner wirkte fünf Jahre lang als Konzernplaner im Hintergrund. Der 52-Jährige gilt als exzellenter Stratege.

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