Michael Haentjes
Musikverleger Edel erfindet sich neu: Buchstaben statt Tönen

Der Umsatz im CD-Geschäft bricht weg – deshalb versucht Musik-Unternehmer Michael Haentjes sein Glück in der Verlagsbranche

FRANKFURT. Bescheidenheit war nie die große Sache des Hamburger Musikunternehmers Michael Haentjes. Der frischgebackene Buchverleger präsentierte sich in der populären Halle 3 der Frankfurter Buchmesse mit einem überdimensionierten Stand. Ganz bewusst mietete sich der Gründer und Chef des börsennotierten Musikkonzerns Edel in der Nachbarschaft zu Traditionshäusern ein.

Haentjes weiß: In der Medienbranche gilt nicht nur das Sein, sondern auch der Schein. In einem aloefarbenen Kordanzug mit weißem Einstecktuch sitzt der einstige Gymnasiallehrer an diesem Tag auf einer Bank und sieht sich neugierig um. Noch zählt er nicht zum Establishment der Buchbranche, auch wenn er mit prominenten Verlegern wie Stefan Lübbe bereits Spontanpartys in der Frankfurter Villa Kennedy feiert.

Der Selfmademan Michael Haentjes will mit dem Ausbau seines Buch- und Mediendienstleistungsgeschäfts zu neuen Ufern aufbrechen. „Ich will mich ein Stück weit neu erfinden“, sagt der Mann mit dem Dreitagebart und der schwarzen Intellektuellenbrille.

Die Idee ist einfach: Die Einbrüche im Musikgeschäft will Haentjes durch den Einstieg in das Buchgeschäft ausgleichen. „Wir wollen in fünf Jahren 50 Millionen Euro Umsatz machen. Das ist der Umsatz, der uns in der Musik verlorengeht“, sagt der studierte Musikwissenschaftler, der heute ein Unternehmen mit rund 850 Mitarbeitern mit einem Jahresumsatz von 139 Millionen Euro lenkt.

Dass auch in der Buchbranche das Geld nicht leicht zu verdienen ist, weiß der Hanseat. Doch er macht sich Mut: „Immerhin wuchsen Verlage und Handel noch im vergangenen Jahr um mehr als drei Prozent.“ Doch nicht zuletzt durch die Finanzkrise und die offenbar bevorstehende Rezession sind die Aussichten getrübt. Gottfried Honnefelder, Kölner Verleger und Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, prognostiziert für dieses Jahr nur noch eine Stagnation für die Branche, die jährlich mehr als neun Milliarden Euro in Deutschland umsetzt.

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