Michael Kemmer
Der Sieger von 2008 verliert am Ende doch

In seiner kurzen Zeit an der Spitze der BayernLB stand Michael Kemmer schon einmal vor dem Rauswurf. Damals, im Oktober 2008, retteten ihn seine Mitarbeiter, die für ihn auf die Straße gingen. Doch deren Unterstützung hätte er jetzt kaum mehr gehabt.
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MÜNCHEN. Den zweiten Angriff hat er nicht überstanden. Michael Kemmer, Chef der BayernLB, hat am Montagabend seinen Hut genommen. Die Politik hat ihm keine andere Wahl gelassen.

Rückblende: Es ist ein sonniger Tag, dieser 14. Oktober. Kemmer sitzt in entspannter Runde morgens um neun am Tisch in Frankfurt. Der Zwei-Meter-Mann im dunklen Anzug, der das Jackett erst einmal über die Stuhllehne hängt, hat diesen Tag reserviert, um in der Hauptstadt der Banken über den Genesungsprozess der BayernLB zu plaudern. Alles sieht gut aus. Die Hypo Group Alpe Adria, die Österreich-Tochter der Bayern, nun ja, die würde er schon gerne loswerden. Aber wer kauft in diesen Tagen schon eine Bank? Kemmer seufzt. Das war aber dann auch schon das unerfreulichste Thema an diesem Morgen.

Zu teuer eingekauft?

Als der 52-Jährige eine Stunde später den Fahrstuhl nach unten nimmt, erwartet ihn ein Anruf, der den Tag in Frankfurt über den Haufen wirft. Die BayernLB, erfährt er am Mobiltelefon von einem Kollegen aus München, ist eben durchsucht worden. Die Ermittler hegen den Verdacht, dass die Bank unter Kemmers Vorgänger Werner Schmidt die Kärntner Hypo-Gruppe viel zu teuer eingekauft habe. Schmidt steht im Fokus der Ermittlungen. Aber auch anderen Beteiligten kann das Verfahren nicht egal sein. Kemmer zum Beispiel. Er war zum Zeitpunkt des Kaufs Finanzvorstand.

Die Durchsuchung löst eine Welle von Fragen aus. Eine davon lautet, wie sehr Bayerns Regierende in die Sache verwickelt sind. Ministerpräsident Horst Seehofer gibt am gleichen Tag zu Protokoll, dass er von der Durchsuchung schon frühzeitig erfahren habe. Hat der Politiker, der eine Woche zuvor bei einer Wahl in seinem Bundesland einen Denkzettel verpasst bekommen hatte, hier ein Thema gesucht, das von ihm ablenkt? Nicht zuletzt der Durchsuchungsbeschluss, der erst einen Monat nachdem er gefallen war, auch exekutiert wurde, spricht dafür.

Kemmer aber sagt zu solchen Spekulationen nichts. Denn Kemmer ist gewarnt.

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