Michael Kölmel, dem gefallenen Star des Neuen Marktes, wird der Prozess gemacht
Ein Spieler vor dem Richter

Seit einigen Wochen bereitet sich Michael Kölmel nur noch auf eines vor: auf den kommenden Mittwoch. Dann beginnt vor der 5. Strafkammer des Landgerichts München I das Verfahren gegen den schillernden Medienmanager.

MÜNCHEN. Immer wieder trifft er sich mit seinem Anwalt, um den Prozess und seine Aussage in allen Einzelheiten vorzubereiten. Kölmel, der einst mit seiner Kinowelt zu den Stars am Neuen Markt aufstieg und nach der Pleite im vergangenen Jahr seine Firma zurückkaufte, lässt sogar die Filmmesse in Cannes ausfallen, den wichtigsten Branchentreff.

Im Saal B 173 eines schmucklosen Gerichtsgebäudes aus den 70er-Jahren muss der 50-Jährige ab der kommenden Woche vor den Richter, teilweise mehrmals wöchentlich. Es erwartet ihn ein Mammutprozess: Das Gericht hat vorsorglich 24 Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt. Die Verfahrensakten umfassen 130 Ordner. Es ist der zweite spektakuläre Prozess nach dem Niedergang der Medienbranche. Im vergangenen Jahr wurden die EM.TV-Gründer Thomas und Florian Haffa zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Kölmel, der Mann mit dem Lockenkopf, wirkt auf seine Gesprächspartner sanft, ruhig und bedacht. In geschäftlichen Dingen war er dafür umso entschlossener und auf seinen Vorteil bedacht. Das Risiko scheute er nie, bald hatte er den Ruf eines „Spielers“. In der Filmbranche war er aber nie voll akzeptiert: Kirch, Haffa und Co. blickten verächtlich auf den Emporkömmling.

„Der Fall ist sehr kompliziert“, räumt der zuständige Staatsanwalt Markus Kammann ein. Es geht um insgesamt 15 Fälle der Untreue der besonders schweren Art, in einem Fall auch um Betrug, sowie um Insolvenzverschleppung bei der zweiten Kölmel-Firma Sportwelt. Am Ende könnte sogar eine Gefängnisstrafe stehen.

Der Beschuldigte selbst will sich im Vorfeld des Prozesses nicht äußern. „Er hat ein gutes Gefühl“, berichtet aber ein Vertrauter. Verteidigt wird der Manager von Kurt Bröckers von der renommierten Münchener Kanzlei Bub, Gauweiler und Partner. Die Advokaten kennen sich mit Medien aus und haben zuletzt auch Leo Kirch gegen die Deutsche Bank vertreten – mit Erfolg.

„Das ist kein Krimineller“, meint jemand, der Kölmel gut kennt. Wenn er etwas falsch gemacht habe, könne ihm zumindest kein Vorsatz unterstellt werden. Wie auch immer das Gericht urteilen wird, fest steht: Der Film ist die große Leidenschaft des studierten Mathematikers. Noch heute kann er die Titel fast aller Filme aufzählen, mit denen er mal gehandelt hat. Schnell kommt er dann ins Schwärmen.

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