Michael Lynton
Nächste Ausfahrt Bollywood

Michael Lynton, Chef von Sony Pictures, steigt in Indiens Filmmarkt ein. Will er in Bollywood Erfolg haben, muss sich der alerte Filmmanager beeilen, denn auch andere Filmstudios wie Disney und Viacom haben das neue Eldorado in Asien entdeckt. Doch Schnelligkeit war schon immer eine Stärke des Harvard-Absolventen.

DÜSSELDORF. Die Nähe zur Filmfabrik in Hollywood schätzt Michael Lynton. Der Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Sony Pictures hat sein Vorstandsbüro direkt auf dem weitläufigen Studiogelände in Culver City, der berühmten Filmstadt im Westen von Los Angeles. Um die Ecke wurden Kassenschlager wie „Spider-Man“ gedreht und die Spezialeffekte dafür programmiert.

Der alerte Filmmanager des japanischen Unterhaltungselektronik-Konzerns kennt Hollywood in- und auswendig. Lynton steht bereits seit vier Jahren an der Spitze der erfolgreichen Sony-Filmtochter. Der 48-Jährige weiß, dass Amerikas Traumfabrik trotz immer neuer Rekorde allmählich an ihre Grenzen stößt.

Deshalb treibt Lynton den Einstieg in Bollywood (Kunstwort aus Bombay und Hollywood), dem Mekka der indischen Filmindustrie, voran. Damit will er Sony den Zugang zum vielfältigsten Film- und Kinomarkt der Welt erschließen. Die Chancen dafür stehen gut. „Das Geschäft in Indien wird dem im Rest der Welt immer ähnlicher“, sagte Lynton der „Financial Times“. „Inzwischen mutet es viel mehr wie das Geschäft an, das wir verstehen, als vielleicht noch vor zehn oder 15 Jahren. Und der Trend wird sich eher verstärken als abschwächen.“

Sony hat bereits seit langem das Geschäft außerhalb von Nordamerika und Europa ins Visier genommen. „Für uns sind die Wachstumsmärkte der Zukunft Indien, Russland und auch kleine Länder wie Korea“, sagte Lynton dem Handelsblatt. In Indien ist er bereits eine Partnerschaft mit dem Kinokonzern Eros eingegangen. Sony Pictures will dort vier bis sechs indische Filme pro Jahr produzieren. „Lynton hat keine Ängste, unternehmerische Risiken einzugehen. Das ist seine Stärke“, sagte der frühere Universal-Manager Wolfram Winter über den Chef von Sony Picture. „Die Expansion nach Indien ist daher keine Eintagsfliege, sondern eine seit Jahren betriebene Strategie.“

Im Jahr 2006 stieg Sony mit dem James-Bond-Streifen „Casino Royale“ und der Dan-Brown-Verfilmung „Da Vinci Code“ zur erfolgreichsten Filmfabrik in Hollywood auf. Allein an der Kinokasse spielte Sony zuletzt 3,3 Milliarden Dollar ein. Die Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor.

Michael Lynton muss sich mit seinem Engagement in Bollywood beeilen. Denn auch andere Filmstudios wie Disney und Viacom haben das neue Eldorado in Asien entdeckt. Doch Schnelligkeit war schon immer eine Stärke des Harvard-Absolventen, der fließend Französisch, Niederländisch sowie Deutsch spricht und schon AOL Europe und den britischen Buchkonzern Penguin führte. Die gemütliche Sofaecke im Besprechungsraum seines Büros täuscht. „Das Film- und Fernsehgeschäft war immer sehr hart“, sagt Lynton – und lächelt vielsagend.

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