Michael zu Salm-Salm ist das Sprachrohr Deutschlands bester Weingüter
Der Prinz und die Schnutentunker

Prinz Michael zu Salm-Salm ist Eigentümer von Schloss Wallhausen in der Nähe von Bad Kreuznach und hat sich gerade eine ökologisch vorteilhafte Holzheizung einbauen lassen, die er mit Restholz aus den eigenen Wäldern bestücken will. Doch an diesem Tag funktioniert noch nichts. Und so muss der 52-Jährige schnell noch ein paar Holzscheite besorgen, damit wenigstens im offenen Kamin der Wohnstube bald ein wärmendes Feuer lodert.

Es gibt eine Jahreszeit, in der Schlossbesitzer nicht den Neid, sondern das Mitleid ihrer Mitmenschen verdient haben: Im Winter ist fast jeder ehemalige Herrschaftssitz mit seinen dicken Gemäuern und zugigen Winkeln kaum zu beheizen, trotzdem klettert der Heizölverbrauch in astronomische Höhen.

Der Forstwirt und Winzer Prinz Salm, der es sowohl zum Präsidenten des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter als auch zum obersten Funktionär der deutschen Waldbesitzer gebracht hat, nimmt in einem bequemen bunt gestreiften Sofa Platz und beobachtet seinen Gegenüber durch eine randlose Brille mit lebendigen, hellblauen Augen. Gekleidet ist er mit einer grünen Cordhose, zu der er ein offenes Hemd mit Pullover sowie festes braunes Schuhwerk trägt, wie es halt in einem landwirtschaftlichen Betrieb am zweckmäßigsten ist.

Dabei beherrscht Prinz Salm auch das Repräsentieren: Beim letzten „Ball des Weines“ im nahen Wiesbaden machte er nach dem Kommando „Alles Walzer“ auch im Frack und mit der amtierenden Weinkönigin im Arm eine ausgezeichnete Figur. Schließlich zählt er mit seinem „Prinz zu Salm-Dalberg’schen Weingut Schloss Wallhausen“ zu Deutschlands Wein-Elite, die für eine Auslese aus besonders klassifizierten Lagen knapp 30 Euro pro Flasche im Verkauf ab Weingut verlangen kann. Im Gegensatz zur Mehrheit der rund 15 000 deutschen Winzer, deren Weine lediglich einen durchschnittlichen Ladenverkaufspreis von 2,41 Euro pro Flasche erzielen, garantiert eine Mitgliedschaft im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) mit strengen Qualitätsregeln seinen 109 angeschlossenen Unternehmen auch auskömmliche Erträge.

Über Umsatz und Gewinn, den das Weingut im Anbaugebiet der Nahe mit zwölf Hektar bestockter Rebfläche erwirtschaftet, schweigt sich Prinz Salm aus. Doch verschlingt der Unterhalt des Schlosses, eine kleine Schar Angestellte und die Ausbildung von sechs Kindern zwischen 16 bis 28 Jahren bereits einen erklecklichen Betrag. Für Pomp und Prunk bleiben dem Prinzen und seiner Ehefrau Prinzessin Philippa zu Salm-Salm wenig Raum.

Eigentlich wäre Prinz Salm gern für die CDU in den Bundestag gezogen: „Aber als Verbandsfunktionär würde ich zu häufig in einen Interessenkonflikt geraten.“ Dabei hätte er als eine Art grüner Konservativer die Schar der Abgeordneten um eine ganz besondere Nuance bereichert: Schon 1989 begann er mit der Umstellung des wohl ältesten Weingutes Deutschlands, dass seit fast 800 Jahren ununterbrochen in Familienbesitz ist, auf den ökologischen Weinbau. Der gläubige Katholik ist überzeugt, dass im Ökosystem des Weinberges Nützlinge wie Schädlinge gleichermaßen ihren Platz haben. Eine durch natürliche Stickstoffversorgung und organische Düngung gestärkte Rebe sei Garant für Qualität.

Wenn er über solche Themen redet, gewinnt im so wohl temperierten Diplom-Kaufmann ein leidenschaftliches Feuer die Oberhand. Ebenso bei der Degustation eigener oder fremder Weine, wenn er „eine enorme Frucht, verbunden mit einem gewaltigen Reifepotenzial“ entdeckt.

Auch vermeintlichen Torheiten der Berliner Politik – besonders bei der bevorstehenden Neufassung des Bundeswaldgesetzes – begegnet er mit flammender Rede.

„Ein Vollblutunternehmer, der es versteht, in jeder Lage den richtigen Ton zu treffen“, loben ihn Kollegen aus der Holzbranche. Für die mit dem heimischen Riesling in weltweiter Konkurrenz liegende Rebsorte Chardonnay hegt Prinz Salm hingegen nur erkaltete Verachtung: Im Gegensatz zum differenziert auftretenden Riesling schmecke der Chardonnay wie die klassische Coca-Cola – nämlich überall auf der Welt gleich.

Solch klare Ansichten wird er auch auf der Düsseldorfer Weinmesse Prowein vertreten, die am kommenden Sonntag beginnt – erstmals in Kooperation mit dem VDP. Die soll auch ausgedehnt werden, mit der Messe Düsseldorf will der Verband künftig gemeinsame PR- und Marketingstrategien entwickeln.

Und auch für die Prowein hat Prinz Salm schon ein Feindbild ausgemacht: Den „Schnutentunker“, den nur der kostenlose Probeausschank an die Messestände lockt. „Die Messe muss ihr hohes Niveau als Veranstaltung ausschließlich für internationales Fachpublikum auch weiterhin halten“, fordert er.

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