Michaela Aurenz, ASB Grünland
Die Torf-Prinzessin

Das Erfolgsprinzip von ASB Grünland ist simpel: Blumenerde im großen Stil verkaufen. Seit Jahresbeginn leitet die erst 23-jährige Michaela Aurenz, Tochter von Konzerngründer Helmut Aurenz, den Betrieb – und ist damit die wohl jüngste Spitzenkraft eines deutschen Unternehmens in dieser Größenordnung.

LUDWIGSBURG. Michaela Aurenz legt keinen Wert auf ein eigenes Chefbüro. Sie arbeitet lieber an einem Doppelschreibtisch in der Firmenzentrale von ASB Grünland, dem führenden deutschen Hersteller von Blumenerde. Die rote Azalee auf dem Tisch welkt vor sich hin. „Das ist nicht meine, die gehört dem Kollegen“, sagt die neue Geschäftsführerin keck. Der ihr gegenübersitzende Vertriebsmitarbeiter schaut etwas verlegen zur Seite. „Mir gehören die beiden Orchideen. Und denen geht es prächtig“, sagt die Betriebswirtin mit Schwerpunkt Marketing schlagfertig. Schließlich sei da ja auch Orchideenerde von Grünland drin.

Michaela Aurenz ist gerade mal 23 Jahre und dürfte wohl die jüngste Geschäftführerin Deutschlands sein in einem Unternehmen mit immerhin 70 Millionen Euro Umsatz. Anfang dieses Jahres ist sie an die Spitze des Ludwigsburger Unternehmens aufgestiegen, das ihr Vater Helmut gründete. Er belieferte als Erster in Deutschland Supermärkte mit abgepackter Blumenerde. Eine einfache Idee mit großer Wirkung. Die Gruppe mit 400 Mitarbeitern sowie zwölf Produktionsstandorten gehört heute zu den international größten Herstellern von Pflanzerde und Dünger.

Der 70-jährige Firmeneigentümer ist in Baden-Württemberg und darüber hinaus vor allem wegen seiner Isny-Runde in seinem Hotel Jägerhof bekannt, einer Art Mini-Davos für deutsche Unternehmer. Seit Jahren lädt der CDU-Mann Größen seiner Partei, Unternehmer und Chefs von Dax-Unternehmen zum Gedankenaustausch in familiärer Atomsphäre.

Die Runde ist immer hochkarätig besetzt. Kanzlerin Angela Merkel war schon da. Ferdinand Piëch, mit dem Aurenz befreundet ist, gehört jedes Jahr zu den Gästen. Auch andere Autobosse wie Daimler-Chef Zetsche oder VW-Chef Winterkorn waren schon zu Gast in Isny. Moderiert wird das Veranstaltungswochenende von Matthias Wissmann. Dass er die Autobosse vom Gedankenaustausch in Isny her gut kannte, soll ausschlaggebend für dessen Berufung zum Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie gewesen sein.

Seit Tochter Michaela 14 Jahre alt ist, hört sie bei den Vorträgen in Isny zu. „Man kann nicht dümmer werden, wenn man sich mit gescheiten Leuten trifft“, sagt sie dazu ohne Spur von Arroganz. Sie ist freundlich humorvoll und versucht neben ihrem Job ein ganz normales Leben zu führen, wenn sie sich mit Freunden, darunter auch ein Automechaniker, trifft.

Aber sie weiß, dass das in Zukunft immer schwieriger wird. Während ihre deutschen Freunde noch an der Uni büffeln, führt sie Verkaufsgespräche in Dubai. Die Welten driften auseinander. Mit ihren Freunden in aller Welt kommuniziert sie über die Studentenplattform Facebook. „Das ist einfach genial“, sagt Aurenz. Sie ist ein Kind der 2.0-Generation.

Aurenz lebt auf der Überholspur. Im Gymnasium in Isny ist ihr das Tempo zu langsam. Auf eigenen Wunsch wechselt sie mit 15 Jahren in ein Schweizer Elite-Internat und glänzt mit einem hervorragenden Abschluss. Die Ferien verbringt Tochter Michaela mit ihrer Mutter und dem drei Jahre jüngeren Bruder auf Auslandsreisen des Vaters. Der mag es gern familiär und gemütlich. Auch sein Büro ähnelt eher einem Wohnzimmer im rustikalen Stil als einem Chefbüro. Alle Standorte, ob die firmeneigenen Torfabbaugebiete in Kanada oder in Estland, verfügen über ein Häuschen für die Familie.

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