Michail Fridman
Investor Nimmersatt

Michail Fridman ist ein russischer Oligarch, der andere Oligarchen des Landes Angst und Schrecken versetzt. Denn bei seiner Alfa-Gruppe, die der 45-Jährige mehrheitlich kontrolliert, stehen viele hoffnungslos verschuldete Großunternehmer in der Kreide. Derzeit reißt er sich krisengebeutelte Unternehmen unter den Nagel - und eckt damit auch im Kreml an.

MOSKAU. In Krisenzeiten läuft Michail Fridman zu absoluter Hochform auf. Das allein reicht schon, um manch einem russischen Oligarchen Angst einzujagen. Denn bei der Alfa-Gruppe, die der 45-Jährige mehrheitlich kontrolliert, stehen viele hoffnungslos verschuldete Großunternehmer in der Kreide. Und Fridman, der umtriebigste Kapitalist von allen, war zeitlebens nicht zimperlich mit seiner Inkasso-Politik. Mit gerichtlichen Klagen, feindlichen Übernahmen und anderen harten Bandagen erzwingt Fridman im klammen Russland den pünktlichen Schuldendienst - und schluckt dabei auch gern die eine oder andere Firma.

Jetzt hat er wieder zugeschlagen. Am Montag berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung "Kommersant", Fridman habe von einem Konsortium westlicher Banken, das die schweizerische Credit Suisse anführt, den 200 Millionen Dollar schweren Schuldenberg des Immobilienriesen Mirax übernommen.

Die Firmengruppe des schillernden Oligarchen Sergej Polonski, der in Moskau mit dem "Federation Tower" das höchste Haus Europas baut, steht bei Banken mit 600 Millionen Dollar in der Kreide, was bei einem Umsatz von 1,65 Milliarden (2008) beileibe kein Pappenstiel ist. Die Alfa-Bank hat für die Schuldenübernahme einen 60-prozentigen Nachlass erhalten, sagte Mirax-Vize Dmitrij Luzenko. Er bezeichnete die Aktion als "nicht freundschaftlich" und gab zu, dass die Alfa-Bank als Gläubiger nicht seine erste Wahl gewesen wäre.

Das hat seine Gründe. Von jetzt an trägt Fridman zusammen mit den direkt vergebenen Krediten die Hälfte der Schuldenlast des Unternehmens - rund 300 Millionen Euro. Damit könnte der Oligarch Einfluss auf die strategischen Entscheidungen und das operative Geschäft nehmen. Denn Fridman gilt in der Branche als aggressiver und expansiver Investor, der gern überall die Finger im Spiel hat. Der Bauchladen, den die Alfa-Gruppe steuert, umfasst Beteiligungen im Ölexport, Einzelhandel, Mobilfunk, Finanzwesen und der Lebensmittelindustrie. Vielleicht zählt auch bald die Baufirma Mirax zum Portfolio, die in schweren Zahlungsnöten steckt?

Fridman jedenfalls kann sich aus dem operativen Geschäft nur schwer heraushalten. Voriges Jahr jagte er den britischen Geschäftsführer des Ölförderers TNK-BP aus dem Amt, den Partner BP einst eingesetzt hatte. Später übernahm er selbst den Posten - um den Ölriesen jetzt schnurstracks in Märkte zu lenken, auf denen Miteigentümer BP bereits aktiv ist.

In der Regel kann Fridman die politisch Mächtigen von Moskau auf seiner Seite wähnen. Nur einmal, im Frühjahr dieses Jahres, musste Russlands Super-Banker zum Rapport bei Präsident Medwedjew im Kreml erscheinen. Der bat ihn, Schuldner Oleg Deripaska mit seinen Forderungen nicht zu sehr unter Druck zu setzen - eine Standpauke, die schnell verhallte. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Alfa-Bank bei einem Moskauer Gericht ein Insolvenzverfahren gegen Deripaskas Baufirma "Glawmosstroj" beantragt hat, die Fridman rund einer Milliarde Rubel (22 Millionen Euro) schuldet.

Wenn's ums Geld geht, ist mit einem wie Michail Fridman nicht zu spaßen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er seine aggressive Expansion der letzten Jahre bei ausländischen Banken refinanzieren musste. Die haben ihm längst den Geldhahn abgedreht. Ende letzten Jahres konnte er nur mit staatlicher Hilfe einen Kredit über zwei Milliarden Dollar an die Deutsche Bank zurückzahlen. Dem nimmersatten Investor steht das Wasser offenbar selbst bis zum Halse. Auch das dürfte begründen, weshalb er in der aktuellen Krise zur Hochform aufläuft.

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