Microsoft
Steve allein zu Haus

Ein weiterer Top-Manager verlässt den Softwarekonzern Microsoft: Mit Windows-Chef Kevin Johnson geht einer der engsten Vertrauten von Konzern-Chef Steve Ballmer.
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DÜSSELDORF. Microsoft-Chef Steve Ballmer verliert seine rechte Hand. Nicht die echte, glücklicherweise; Kevin Johnson, Leiter der Windows- und Internetsparte, verlässt überraschend den weltgrößten Softwarehersteller. Der 47-Jährige werde in Kürze seinen Posten aufgeben, teilte das Unternehmen mit. Er geht als Chief Executive Officer (CEO) zum kalifornischen Netzausrüster Juniper Networks.

Ballmer muss damit den zweiten Abgang eines Top-Managers innerhalb weniger Monate verdauen. Anfang des Jahres hatte Jeff Raikes, Präsident der Bürosoftware-Sparte, seinen Rücktritt angekündigt. Zu den Hintergründen des jüngsten Schrittes schweigt sich Microsoft bisher aus. Es spricht aber einiges dafür, dass Johnson nicht ganz freiwillig geht. Zwar galt er als einer der engsten Vertrauten Ballmers, seitdem die beiden vor einigen Jahren gemeinsam in der Vertriebsabteilung des Konzerns arbeiteten.

Zuletzt konnte er allerdings kaum noch Erfolge vorweisen: Die Einführung des neuen Betriebssystems Windows Vista verläuft nur recht schleppend, im lukrativen Suchmaschinenmarkt konnte der Konzern seit Johnsons Antritt 2005 den Rückstand auf den Rivalen Google nicht verkürzen, verlor sogar weiter an Boden. Zudem blieben die Verhandlungen für die Übernahme des Internetkonzerns Yahoo, die Johnson maßgeblich geführt hat, bislang erfolglos. Ballmer, so heißt es, war deshalb zuletzt alles andere als begeistert von der Entwicklung, die Johnsons Sparte genommen hat.

Der Microsoft-Chef nutzt die Personalie, um die Organisationsstruktur des Konzerns umzukrempeln. Johnsons Sparte wird in zwei künftig eigenständige Bereiche aufgeteilt: Ballmer selbst übernimmt die Verantwortung für Windows, Keimzelle und wichtigster Ertragsbringer des Konzerns. Für das Online-Geschäft sucht er noch einen Nachfolger. "Die neue Struktur wird unsere Beweglichkeit erhöhen", sagte er.

Für den ehrgeizigen Johnson hätte dies einen drastischen Machtverlust bedeutet - ein Umstand, der ihm den Abschied nach 16 Jahren im Konzern deutlich erleichtert haben dürfte. Der Chefposten bei Juniper, mit einem Umsatz von 2,8 Milliarden Dollar kein ganz kleines Unternehmen, bot ihm zudem eine durchaus attraktive Alternative.

Das konsumentennahe Online-Geschäft war ohnehin nicht seine Stärke. Der ehemalige Softwareentwickler fühle sich in der Welt der Technik und der Firmenkunden wesentlich wohler, heißt es im Microsoft-Umfeld. Insofern dürfte ihm der neue Arbeitgeber liegen, denn Juniper zählt ausschließlich Firmen zu seinen Kunden.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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