Middelhoff flüchtet vor Journalisten
„Ich bin wie die Katze übers Dach“

Als Manager verdiente Thomas Middelhoff Millionen. Nun musste er vor einem Gerichtsvollzieher seine Vermögensverhältnisse offenlegen. Pleite sei er nicht, sagte der Manager. Er komme nur seit Jahren nicht an sein Geld.
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Er gehörte zu Deutschlands Topmanagern. Jetzt musste er nach einem Besuch beim Gerichtsvollzieher übers Garagendach vor Journalisten fliehen. Was ihn dazu bewog, und wie er seine Vermögensverhältnisse einschätzt, berichtete Thomas Middelhoff im Gespräch mit dpa.

Herr Middelhoff, ist es wahr, dass Sie über ein Garagendach vor Journalisten geflüchtet sind?
Ich bin nicht vor den Fragen der Journalisten geflüchtet. Aber ich laufe auch nicht in Medienfallen, die mir von einem ehemaligen Geschäftsfreund gestellt werden. Vor dem Gerichtsgebäude lauerten Journalisten, die mich mit ihren Fotoapparaten abschießen wollten wie Freiwild. Das wollte ich mir und vor allem meiner Familie nicht antun.

Und was haben Sie dann getan?
Ich bin wie die Katze übers Dach. Ich musste drei Meter tief auf eine Garage springen und dann noch einmal drei Meter auf die Straße. Dann bin ich durch den Hinterhof, fröhlich pfeifend zu einer Nebenstraße gegangen, habe mir ein Taxi gewunken und bin zu Gesprächen und Verhandlungen geflogen.

Sie haben als Manager jahrelang fantastisch verdient. Am Freitag mussten sie vor dem Gerichtsvollzieher über ihre Vermögensverhältnisse Auskunft geben. Im Volksmund sagt man dazu Offenbarungseid. Wie konnte es dazu kommen?
Ganz einfach dadurch, dass meine ganze Liquidität von der Bank Sal. Oppenheim blockiert wird, widerrechtlich, wie meine Anwälte und ich meinen. Seit fünf Jahren komme ich nicht an mein Geld. Dazu erwarte ich ein erstinstanzliches Urteil noch in diesem Jahr. Ich habe natürlich noch ausreichend andere Vermögenswerte. Aber in diesem speziellen Fall verlangt ein ehemaliger Geschäftsfreund Barzahlung in Höhe von 7,5 Millionen und ist nicht bereit Sachwerte zu akzeptieren. Außerdem sehen wir keine Berechtigung für die Millionenforderung und haben den Betrag durch eine Klage angegriffen. Wir bereiten auch eine Schadenersatzklage vor.

Man hat den Eindruck, dass im Essener Untreue-Prozess in den vergangenen Monaten sehr oft der Gerichtsvollzieher auf sie wartete.

Ja, das ist eine richtige Wahrnehmung. Aber das werden wir alles klären, entweder gütlich, oder vor Gericht.

Haben sie noch einen Überblick, wer wieviel Geld von Ihnen verlangt, und wieviel sie umgekehrt fordern?
Der Unternehmensberater Roland Berger verlangt von mir 7,5 Millionen Euro davon sind ca. 2 Millionen Euro durch Sicherheiten von mir abgesichert, mein früherer Vermögensverwalter Josef Esch 2,5 Millionen Euro, der Arcandor-Insolvenzverwalter 3,4 Millionen Euro, gegen die aber noch Gegenforderungen von mir bestehen beziehungsweise die über die Managerversicherung abgedeckt sind, und die Bank Sal. Oppenheim ca. 70 Millionen Euro. Umgekehrt verlange ich über 200 Millionen Euro. Ich glaube, das ist eine noch immer überschaubare Relation.

Noch einmal direkt gefragt: Sind Sie pleite?
Ganz klare Antwort: Nein. Aber das Problem ist, dass ich an meine Liquidität nicht herankomme. Deshalb muss ich Wege finden, wie ich bestehende Forderungen bedienen kann. Dazu bin ich gerne bereit. Und an der Umsetzung arbeiten wir mit Hochdruck.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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