Middelhoff in U-Haft
Anwälte kritisieren Schlafentzug bei „Big T“

28 Tage lang ohne Schlaf: Thomas Middelhoff soll in der U-Haft wegen ständiger Kontrollen 672 Stunden nicht zur Ruhe gekommen sein, berichten seine Anwälte. Der Ex-Arcandor-Chef soll wegen des Entzugs schwer krank sein.
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DüsseldorfThomas Middelhoff soll während seiner Zeit in Untersuchungshaft 28 Tage lang nicht geschlafen haben. Das kritisieren seine Anwälte laut eines Berichts der „Bild am Sonntag“. Demnach sei der Ex-Arcandor-Chef 672 Stunden lang nicht zur Ruhe gekommen, weil er alle 15 Minuten kontrolliert wurde. Der Grund dafür war demnach, dass die Justiz eine Selbstmordgefahr sah. Die Anwälte haben nun Haftbeschwerde eingelegt. Sie bezweifeln, dass Middelhoff gefährdet gewesen sei, heißt es in dem Bericht weiter.

Das Gefängnis hingegen sieht das anders. „Wenn jemand alles zu verlieren droht, ist das der typische Fall eines Bilanz-Selbstmordes“, sagte Gefängnisdirektor Alfred Doliwa laut „BamS“. „Das Leben des Gefangenen hat Vorrang. Was wäre denn passiert, wenn sich Herr Middelhoff etwas angetan hätte?“ Laut des Berichts soll Middelhoff wegen des Schlafentzugs nun an einer schweren Autoimmunkrankheit leiden.

Middelhoff sitzt seit November in Untersuchungshaft. Das Essener Landgericht hatte ihn wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt und noch im Gerichtssaal verhaften lassen. Mehrere Versuche von Middelhoffs Rechtsanwälten, den 61-Jährigen wieder auf freien Fuß zu bekommen, scheiterten seitdem. Der Grund: Die die Richter am Landgericht Essen und am Oberlandesgericht Hamm sahen eine Fluchtgefahr. Selbst als enge Freunde und Familienmitglieder von Thomas Middelhoff eine Kaution von fast 900 000 Euro anboten, konnte dies die Richter nicht umstimmen. Der Bundesgerichtshof wird wohl erst in einigen Monaten über die Revision Middelhoffs entscheiden.

Erst vor wenigen Tagen hatte der frühere Chef der Karstadt-Mutter Arcandor Privatinsolvenz angemeldet.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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