Mikrokredite
Gutes tun und Geld verdienen

Eine Ex-Bankerin legt Fonds für Firmen in der Dritten Welt auf - und will Gutes tun. Sie sammelt bei Investoren Geld ein, um kleinen Firmen und Mittelständlern in Schwellen- und Entwicklungsländern Kredite zu geben. Eine ähnliche Idee wurde vor einiger Zeit sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
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FRANKFURT. Dem Klischee der Weltverbesserin entspricht Edda Schröder so gar nicht. Als Bankerin geht die 46-Jährige schon eher durch: Gewinnend – aber auch smart und kalkulierend. Und genau damit kann Schröder seit 2006 das tun, was sie schon nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau tun wollte: Entwicklungshilfe leisten.

Sie sammelt bei Investoren Geld ein, um kleinen Firmen und Mittelständlern in Schwellen- und Entwicklungsländern Kredite zu geben. „FinAcc“ heißt der Fonds – ein weltweit einmaliges Konstrukt.

Der direkte Weg in die Entwicklungshilfe blieb ihr einst verwehrt – die Organisationen suchten Brunnenbauer, keine Banker. Also wählt sie 1994 den Weg in die klassische Vermögensverwaltung, startet bei Flemings, wird 2000 Geschäftsführerin bei Schroders. Sechs Jahre später erhält Muhammad Yunus für seine Mikrofinanzprojekte in Entwicklungsländern den Friedensnobelpreis. Schröder selbst beschäftigt sich da schon länger mit dem Thema, kündigt und baut ihr eigenes Unternehmen „Invest in Visions“ auf – mit einem ersten Mikrofinanzierungsfonds. Hilfe zur Selbsthilfe, so ihr Credo, kann durchaus ein interessantes Investment sein.

„Das ist die nächste Stufe von Mikrofinanz“, sagt Schröder. Denn anders als Gründer haben Mittelständler schon Sicherheiten und Know-how. „Genau diese Betriebe sind es, die in Entwicklungsländern den Großteil der Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum antreiben.“

Fünf Prozent Verzinsung verspricht die Anlage 

100 Mio. Euro will Schröder bei Großanlegern wie Stiftungen, Versorgungswerken und Versicherern einwerben. Ende 2011 soll die Hälfte des Geldes beisammen sein, derzeit sind fünf Mio. Euro im Fonds. Ziel ist es, die Mittel an rund 50 Partnerbanken in Süd- und Mittelamerika, Asien, Afrika oder Osteuropa zu verteilen. Diese wiederum nutzen das Geld, um es als Kredite an die Betriebe weiterzureichen. Rund 4 000 Kleinunternehmen sollen so am Ende die benötigte Finanzierung erhalten. Vier Kredite wurden schon ausbezahlt.

„Wir haben viel Pionierarbeit vor uns, denn anders als Mikrofinanz-Fonds hat unsere Anlageklasse noch keine Erfolgshistorie“, sagt Schröder. Wer investiert, darf auf höhere Rendite hoffen als derzeit bei vielen Anleihen: Fünf Prozent Verzinsung jährlich sollen es sein.

Denn, wer wüsste das besser als die gelernte Bankerin Schröder: Mit dem Helfersyndrom allein lässt sich in dieser Welt wenig ändern.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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