Mikrotechnik boomt
Siegeszug der Mini-Technik schafft neue Stellen

Mikrotechnik sorgt für einen anhaltenden Boom am Sensorik-Markt. Mittlerweile gibt es in dem mittelständisch geprägten Industriezweig über 210 000 Beschäftigte. Der Vorteil der Mini-Technik: Messfühler auf weniger Bauraum senken die Kosten und beschleunigen die Produktion.

BREMEN. Wenn Forscher bis in menschliche Körperzellen hineinschauen, könnte Wolfgang Barth dahinter stecken: Der Geschäftsführer der Nascatec GmbH, einem Sechs-Mann-Betrieb aus Stuttgart, produziert optische Sensoren, die die Struktur einzelner Moleküle erfassen. "Unsere Produkte erreichen eine Auflösung von unter zehn Nanometern", sagt Barth. Gewöhnliche Lichtmikroskope stoßen bereits bei 200 Nanometern an ihre Grenze - immerhin dem 250stel eines menschlichen Haares.

Produkte von Nascatec kommen unter anderem in der Medikamentenentwicklung zum Einsatz, um Wirkstoffe an einzelnen Molekülen zu beobachten. Mit Teilen für die Rastersondenmikroskopie hat sich das Unternehmen eine Nische auf dem stark wachsenden Sensorik-Markt geschaffen. "Mit dem Fortschritt der Technologie wird der Sensorikmarkt noch in den kommenden zehn Jahren weiter wachsen", schätzt Wolfgang Barth.

Tatsächlich erleben Sensorik-Hersteller wie Barth seit einigen Jahren einen Boom: Der AMA Fachverband Sensorik nennt Wachstumsraten von zwölf Prozent und mehr. Rund 11 000 neue Arbeitsplätze sind allein im Jahr 2006 entstanden. Mittlerweile gibt es in dem mittelständisch geprägten Industriezweig über 210 000 Beschäftigte. Und dass die Branche selbst in konjunkturschwachen Jahren stark zulegen konnte, liegt in erster Linie an Mikrotechnologien: Eine aktuelle Marktstudie der Nexus-Gruppe geht davon aus, dass sich der weltweite Markt für Mikrosystemtechnik bis 2009 von 9 auf 25 Mrd. US-Dollar vergrößern wird - wovon die Sensorik direkt profitiert. "Hinter dem Miniaturisierungs-Trend steht in erster Linie der Gedanke, auf immer weniger Bauraum immer mehr Messeinheiten unterzubringen", erklärt Uwe Kleinkes vom Dortmunder Fachverband für Mikrotechnik IVAM. "Somit sind die Mikrotechnologien die wichtigsten Wachstumstreiber der Sensorikindustrie."

Dieses Bewusstsein ist auch in der Branche angekommen, wie eine aktuelle Umfrage des AMA belegt: "Es besteht großes Interesse am Einsatz von innovativen Mikro- und Nanotechnologien in Sensorsystemen", berichtet Guido Tschulena, der die Studie betreute. "Die Medizin- und die Automobilanwendungen werden dabei als Technologietreiber gesehen."

Der steigende Bedarf an Mikro-Sensoren wirkt bis in kleinste Nischen: So berichtet die Hamburger Microdrop Technologies GmbH derzeit über wachsende Nachfrage nach Mikrodosiersystemen. Ähnlich einem Tintenstrahldrucker können sie Mengen im Nanoliterbereich dosieren und auftragen, zum Beispiel DNA- oder Proteinlösungen. In der Medizin lassen sich auf "Biosensoren" genannten Messfühlern Allergietests oder ganze Erbgut-Analysen vornehmen. "Vor zehn Jahren war die Biochemie schon einmal ein heißes Marktthema, verschwand aber wieder", sagt Microdrop-Geschäftsführer Wilhelm Meyer. "Mit dem Siegeszug der Mikrosystemtechnik und biologischen Diagnostik-Chips kehrt sie jetzt wieder zurück."

Seite 1:

Siegeszug der Mini-Technik schafft neue Stellen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%