Milliardär hat Ärger mit seiner neuen Kate-Moss-Linie
Marketing-Coup misslingt

Supermodel Kate Moss - der Name steht für Schlagzeilen. Nur, gut sind sie nicht immer. Das musste nun auch Sir Philip Green erfahren.

LONDON. Der englische Textil-Tycoon hat viel Ärger mit der von Moss entwickelten Kollektion für seine Kette Topshop. Der Marketing-Coup misslang gründlich. Erst verließen zwei Topmanagerinnen seinen Handelskonzern Arcadia, angeblich weil sie sich bei der Entscheidung für die Moss-Linie übergangen fühlten. Und jetzt berichtet die "Sunday Times", dass die Kollektion auf Mauritius unter miesen Arbeitsbedingungen für wahre Hungerlöhne gefertigt werde.

Green lässt von seiner Yacht im Mittelmeer aus erklären, er werde die Anschuldigungen untersuchen. Arcadia habe strikte Vorschriften für Lieferanten. Doch nun droht sich die Diskussion um "Wegwerf-Mode" an seinem Textilimperium zu entzünden. Ausgerechnet seine Ex-Geschäftsführerin Jane Shepherdson sagt voraus, dass die Ära der billigen Fummel zu Ende geht, weil die Kundinnen ethische Kleidung wollten.

Doch Green ist nicht der Mann, der sich ins Bockshorn jagen lässt. Der stets tief gebräunte Selfmade-Milliardär überzieht missliebige Journalisten mit wüsten Beschimpfungen und droht angeblich gar Schläge an. Die öffentliche Meinung interessiert den 52-Jährigen wenig. Das zeigte sich vor zwei Jahren, als er Arcadia eine Sonderdividende von umgerechnet 1,8 Mrd. Euro an seine Gattin auszahlen ließ. Die Dame wohnt praktischerweise in Monaco und zahlt keine britischen Steuern.

Mit 16 von der Schule abgegangen, startete Green früh in die Selbstständigkeit. 21 Jahre ist er, als er die kleine Immobilien- und Handelsfirma des Vaters übernimmt, aber ihm steht der Sinn nach Größerem. Mit 33 wird er durch den Verkauf einer Boutiquenkette Millionär, und in den Neunzigern kauft er billig eine Reihe angeschlagener Handelsfirmen auf und saniert sie mit großem Erfolg.

Das verdiente Geld gibt er mit vollen Händen für teure Autos, Boote, Häuser, Freundinnen und Roulette aus. Mit zwei Versuchen, die Kaufhauskette Marks & Spencer feindlich zu übernehmen, scheitert er. Macht nichts - auch so ist er der siebtreichste Mann Großbritanniens und nennt mehr als sieben Mrd. Euro sein Eigen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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