Milliardär liebäugelt mit Privatbank M. M. Warburg
Kaffee-Erbe Günter Herz in Anlage-Nöten

Wenn Günter Herz zusammen mit seiner Frau Uta morgens beim Frühstück die internationale Finanzpresse durchblättert, findet er in der letzten Zeit immer häufiger seinen Namen in den Schlagzeilen.

HAMBURG. „Tchibo regelt Ausstieg von Günter Herz“, „Günter Herz bleibt bei Beiersdorf dran“, „Herz dementiert Interesse an Tui“. Mal schmunzelt der 63-jährige Milliardär mit dem leicht ergrauten Haar darüber, mal regt er sich auf: „Alles Quatsch“.

Nun ist der öffentlichkeitsscheue Erbe der Hamburger Kaffeedynastie Tchibo erneut Objekt von Spekulationen geworden. Er soll zusammen mit seiner Schwester Daniela die Hamburger Privatbank M. M. Warburg übernehmen. Helfen soll ihm der Wirtschaftsprüfer Otto Gellert, der mit der Schweizer Industriellenfamilie Thoennes rund 23,5 Prozent an der Bank hält und den Anteil verkaufen will. Herz, der im Urlaub weilt, ist für einen Kommentar nicht zu erreichen. M. M. Warburg will sich nicht äußern.

Dass der gewiefte Firmenstratege als Käufer für Deutschlands erste Adresse unter den Privatbanken in Frage kommen könnte, verdankt er zwei Umständen: Herz ist mit M. M. Warburg-Aktionär und Wirtschaftsprüfer Otto Gellert geschäftlich und privat eng verbunden. Er berät ihn seit Jahren bei Steuer- und Finanzfragen sowie Firmenbeteiligungen. Zudem verfügt Günter Herz zusammen mit seiner Schwester über einen satten Geldbetrag von mehr als vier Milliarden Euro. Unter Deutschlands Investmentbankern gilt Herz – neben den früheren Wella-Eignern Ströher – derzeit als erste Anlaufadresse. Woche für Woche schicken sie ihm Exposés über Industriebeteiligungen, von denen sich Versicherungen und Banken trennen wollen.

Das Riesenvermögen des Hamburgers stammt aus dem Verkauf des rund 40-prozentigen Anteils an der Tchibo Holding (Beiersdorf, Tchibo Röstkaffee). Herz hatte das Familienimperium nach dem Tod seines Vaters 1965 übernommen. Langsam baut er den damals zunächst nur 50 Millionen Euro schweren Röstkaffee-Versender zu einem Konzern mit einem Wert von mehr als zehn Milliarden Euro aus.

Doch unter den Brüdern Wolfgang, Joachim und Michael kommt es über die strategische Ausrichtung der Firma zum Streit. Wutentbrannt setzen sie ihn Anfang 2001 als Vorstandschef vor die Tür – nach fast 36 Jahren an der Tchibo-Spitze. Zwei Jahre lang versucht Günter, sich mit seinen Brüdern auf einen neuen Kurs zu einigen. Vergebens – Mitte August dieses Jahres steigt er entnervt als Anteilseigner bei Tchibo aus.

Günter Herz gilt als knallharter Firmenchef. Sein Augenmerk lenkt der stets schnell sprechende, aber sorgfältig analysierende Manager auf Unternehmen, die über namhafte Markenartikel mit hohem Wachstumspotenzial verfügen. Beispiele dafür aus der Vergangenheit sind: die Hamburger Beiersdorf AG mit ihrer Kosmetikmarke Nivea und der Zigarettenmulti Reemtsma mit „West“ und „Davidoff“. Beide Firmen entwickelt er über Jahre behutsam und bedächtig zu heute mächtigen Großkonzernen.

Privat ist Herz als einer der reichsten Männer Deutschlands (Forbes, 1999) äußerst bescheiden. So leistet sich der eher schmächtig aussehende Kaufmann keinen übertriebenen Luxus. Statt rasante Sportwagen fährt er lieber den schwarzen Golf seiner Frau Uta. Seine knapp bemessende Freizeit verbringt er vor allem mit seinem Sohn Christian.

Sportlich hegt er zwei große Leidenschaften: das Segeln und die Begeisterung für Rennpferde. Als ältester Sohn erbte er von seinem Vater das Trabergestüt Lasbek in Schleswig-Holstein. Das Reiten verschafft ihm einen Ausgleich zur Arbeit.

Den braucht er auch: Denn die Presse dürfte ihn in der nächsten Zeit wohl immer wieder mit neuen Spekulationen über Beiersdorf, Tui & Co. behelligen. Ob er dann schmunzeln oder wütend reagieren wird, ist offen. Aber er dürfte wohl schallend lachen, wenn er selbst die Öffentlichkeit dann wirklich mit einem neuen Coup überrascht.

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