Milliardärs-Ranking
Chinas reichster Mann braucht nur 25 Euro am Tag

Die Finanzkrise wirbelt das Ranking der reichen Chinesen durcheinander: Statt Spekulanten, sind nun mehr Unternehmer an der Spitze. Und der aktuell Reichste widerspricht dem Klischee des neureichen Milliardärs komplett.
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PekingMit einem Privatvermögen von knapp zehn Milliarden Euro hat sich der Getränkemagnat Zong Qinghou auf Platz eins der reichsten Männer Chinas geschoben. Zong löst damit den Baumaschinenhersteller Liang Wengen ab und überholt eine Reihe von Milliardären aus dem Immobiliensektor. „Die Immobilienbranche dominiert die Liste in diesem Jahr nicht mehr“, fasst der maßgebliche Reichtumsbericht, die „China Rich List 2012“, den Trend in ihrer aktuellen Ausgabe zusammen.

Die neue Liste spiegelt damit zwei wichtige Entwicklungen in China wider. Erstens: Die Regierungspolitik zur Eindämmung der Immobilienpreise wirkt seit vergangenem Jahr - aus der Branche fließt massiv Geld ab. Zweitens: China wird mehr und mehr zur Konsumgesellschaft. Wer etwas anbietet, das die Mittelklasse haben will, der kann zu den Superreichen aufsteigen.

Es war der riesige Durst des Milliardenvolkes auf zuckrige Kaltgetränke, der Zong Qinghou zum erfolgreichsten Gründer Chinas gemacht hat. Der 67-jährige Zong widerspricht dabei komplett dem Bild vom neureichen Milliardär: Er besitzt keine Jacht, er geht nicht in Kasinos, er spielt kein Golf und benutzt eine Armbanduhr aus dem Supermarkt. Zong lebt nach eigenen Angaben von rund 25 Euro am Tag. Es hilft ihm beim Sparen, dass er jeden Tag in der Betriebskantine zu Mittag isst.

Gerade wegen der Genügsamkeit des Chefs steht sein Unternehmen, der Getränkehersteller Wahaha, für Ausgaben ganz anderer Art bereit: Der Konzern will seine Bargeldbestände für Zukäufe im Ausland nutzen. „In wenigen Jahren schon sehe ich Wahaha unter den 500 größten Unternehmen der Welt“, sagt Zong.

Die Firmen der chinesischen Superreichen waren in den vergangenen Monaten bereits mächtig auf Einkaufstour in Deutschland unterwegs. Die neue Muttergesellschaft des Betonpumpenhersteller Putzmeister, der Baumaschinenspezialist Sany aus Changsha, gehört Liang Wengen. Liang ist wegen des abnehmenden Baubooms in diesem Jahr von Platz eins der Reichenliste auf Platz fünf abgerutscht. Armut droht ihm indes noch lange nicht: Er besitzt immer noch rund 5,5 Milliarden Euro.

Der neue Spitzenreiche Zong ist 67 Jahre alt und hat Wahaha 1987 gegründet.  Als genial gilt in China die Wahl des Firmennamens: „Wahaha“ steht auf Chinesisch lautmalerisch für das Geräusch eines Babylachens. Schon die Marke macht damit Laune.

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