Milliardärssöhne können Mammut-Projekte stemmen – so wie Daniel Hopp
Jungadler mit Bodenhaftung

Wenn das Leben einfach wäre, würde Daniel Hopp all die Klischees erfüllen, die Menschen von ihm erwarten, bevor sie ihn kennen lernen. Dann wäre er von Beruf Sohn, ein 22-jähriger Schnösel, der sein Studium schludern lässt und so tut, als leite er den Eishockey-Club, den Papa sponsert.

Die neue Halle des Teams würde Daddy bezahlen. Ralph-Lauren-Hemden würde er tragen und seine Tage im Golfclub vertrödeln, das Handicap auf vier hochtrainiert.

Aber das Leben ist nicht einfach. Denn all das stimmt. Irgendwie. Nur strahlt der magere Twen mit dem ernsten Gesicht auf der Terrasse des Golfclubs St. Leon-Rot (der tatsächlich seinem Vater gehört) so gar nichts aus vom vorgefertigten Bild des Berufssohns. Keine Großmäuligkeit, keine Angeberei, keine großen Gesten. Eher wirkt er wie ein frisch gebackener Abiturient mit dem Hirn eines gestandenen Managers: sieht aus wie 18 Jahre, ist 22, redet wie 43.

„Bescheidenheit und Zurückhaltung nach außen. Das hat meinen Vater geprägt“, sagt Daniel Hopp, der jüngere von zwei Sprösslingen des SAP-Gründers Dietmar Hopp.

Große Auftritte sind sein Ding nicht. Und so ist überregional kaum bekannt, dass es ein 22-Jähriger ist, der Mannheim zum Muss für die Konzertveranstalter der Republik machen will. 80 Millionen Euro wird die Mannheim Arena kosten, eine Veranstaltungshalle für rund 14 000 Zuschauer, in der die Adler ab 2005 spielen werden. Mit-Geschäftsführer der Adler: Daniel Hopp. Geschäftsführer der Betreibergesellschaft: Daniel Hopp.

Das Bayern München des Deutschen Eishockeys startet heute in die neue Saison, empfängt die Kassel Huskies in seiner zugigen Halle, wo im Winter 8 000 Fans frieren. „Eine Zumutung“, meint der „Kicker“.

„Wenn ich nicht den Namen Hopp hätte, wäre ich nicht in dieser Position“, weiß Daniel Hopp. Und wenn hinter dem Namen Hopp nicht laut „Manager Magazin“ mit 2,35 Milliarden Euro Rang 32 in der Rangliste der reichsten Deutschen stünde – gäbe es nicht einmal die Position.

Denn im Sommer 1998 standen die Adler, gerade zum dritten Mal Meister geworden, vor der Pleite. „Ich hab’ meinem Vater vorgetragen, wo die Probleme liegen und was die Lösung sein könnte: Entweder die Kiste ist kaputt, oder wir steigen ein.“ Sie stiegen ein – mit rund zehn Millionen Mark.

Da war er 17 Jahre alt. Fünf Jahre später erntet er von allen Seiten Respekt. „Er hat zusammen mit seinem Vater in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass in Mannheim der Eishockeysport auf eine sehr solide Basis gestellt worden ist“, urteilt Gernot Tripcke, der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga DEL.

Die Begeisterung für den Sport hat Daniel Hopp von klein auf kennen gelernt. Sein Vater fördert die TSG Hoffenheim, bei der er einst selbst kickte: Von der A-Klasse bis auf aktuell Platz 14 der Regionalliga Süd stieg sie auf. Das hübsche, kleine Stadion trägt seinen Namen.

Sein Sohn spielte Fußball, Tennis, Golf. Mit Freunden zog er auf die Stehtribünen der Region, zum Karlsruher SC – und zu den Adlern. „Ich hab’ mir gleich im zweiten Jahr eine Dauerkarte gekauft“, erinnert er sich, und für einen Moment sieht er nicht nur aus wie 18, sondern klingt wie ein verträumter Teenager.

Schnell wird er wieder businesslike: „Wir wussten, dass das Niveau, auf dem wir und die Sponsoren den Verein haben wollten, in der alten Halle nicht finanzierbar ist.“ Ab 2006 soll in der neuen Arena alles größer, schöner und wärmer werden. Geschenkt bekommt die Stadt ihre Vorzeigehalle zwar nicht – aber zu angenehmsten Konditionen finanziert.

Kein Wunder, dass sich in der Verwaltung niemand findet, der ein böses Wort über Daniel Hopp loswerden möchte. Überhaupt mag niemand etwas sagen: „Die haben eine Heidenangst vor Hopps Vater“, meint ein lokaler Journalist – der auch ungenannt bleiben möchte.

Die Region ist halt Hopp-Country im positiven Sinn: Die Familie investiert gern in der Heimat. Hier eine Viertelmillion für Computer an der Berufsschule Wiesloch, dort 750 000 Euro für eine Professorenstelle an der FH Karlsruhe, auch Daniels Ex-Schule, das Gymnasium Walldorf, bekam etwas ab.

„Uns gefällt’s hier und ich glaube auch nicht, dass wir hier weggehen werden“, sagt Daniel Hopp. Logisch, dass er Heidelberg als Universität wählte, für VWL ist er eingeschrieben. Kommt die Sprache darauf, grinst er, wie 22-Jährige grinsen, schwänzen sie eine Vorlesung: „Derzeit lege ich so was wie ein Pausensemester ein. Wenn ich etwas anfange, will ich es auch richtig machen, und meine Aufgaben sind eben doch sehr intensiv geworden.“ Bleibt da noch Raum für Leidenschaft, wenn die Adler aufs Eis gehen? „Ich war der Hauptinitiator unseres Einstiegs, und das bringt eine große Verantwortung mit sich. Aber es macht Spaß.“

Aufgaben? Intensiv? Verantwortung? So redet keiner, der mit Kumpels durch Studi-Kneipen zieht. „Ich habe noch Kontakt zu ehemaligen Schulfreunden, aber das Gros meiner Bekannten ist älter als ich.“ Immer wieder fällt da das Wort „Berater“. Zu ihnen gehört Ludwig Marquart, ehemaliger Bürgermeister der hessischen Gemeinde Mörfelden und über 70. Geht es um Eishockey, vertraut er Ex-Profi und Adler-Manager Marcus Kuhl, 47, mit dem er auch befreundet ist. Und natürlich: sein Vater. „Er ist ein großes Vorbild. Was er geleistet hat – dem gebührt von meiner Seite großer Respekt.“

Doch er legt Wert darauf: „Ich führe ein ganz normales Leben.“ Zum normalen Leben des Daniel Hopp gehört es allerdings, dass er vergangenes Jahr eine halbe Million SAP-Aktien kaufte, deren Wert von damals 35 Millionen Euro auf 56 Millionen gestiegen ist.

Große Zahlen für einen, der in ein paar Wochen 23 Jahre wird. Das Leben ist eben nicht einfach. „Ist das nicht wie Urlaub?“ seufzt er und lehnt sich auf der Golfclub-Terrasse zurück. Ja, Urlaub würde man ihm wünschen. Und ein wenig mehr Leichtigkeit im Leben.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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