Millionenvergütungen
Manager gegen Manager

Vierhundertfünfundreißig Prozent - soviel verdient der VW-Boss mehr als sein Vorgänger. Die Gehälter der Vorstände in Dax-Konzernen rufen Kritiker auf den Plan - jetzt auch aus den eigenen Reihen.
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DüsseldorfDeutschlands Topmanager haben die Wirtschaftskrise gut überstanden – vor allem finanziell. Das Durchschnittsgehalt eines Dax-Konzernchefs ohne Pensionsansprüche erhöhte sich im vergangenen Jahr um 400 000 Euro auf gut fünf Millionen Euro.

Nahezu alle heutigen Vorstandschefs stellen ihre Vorgänger gehaltsmäßig in den Schatten. VW-Chef Martin Winterkorn, der für das vergangene Jahr 16,6 Millionen Euro überwiesen bekam, verdiente 435 Prozent mehr als sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder im Jahr 2006. Siemens-Chef Peter Löscher (8,7 Millionen Euro) kommt auf ein Plus von 142 Prozent gegenüber Heinrich von Pierer im Jahr 2006.

Diese Gehaltssteigerungen sind auch in Kreisen von Industrie- und Hochfinanz mittlerweile umstritten. Klaus-Peter Müller, Commerzbank-Aufsichtsratschef und Vorsitzender der „Kommission für gute Unternehmensführung“ sowie Kommissionsmitglied Manfred Gentz, ehemals Daimler-Finanzchef, haben sich daher entschlossen, als Privatleute einen vertraulichen Brief an die Aufsichtsratschefs der 30 Dax-Konzerne zu schreiben. Der Brief ging unter anderem bei Gerhard Cromme, Ferdinand Piëch, Simone Bagel-Trah und Manfred Schneider ein. Er liegt dem Handelsblatt vor.

Müller und Gentz werben darin für eine Umkehr. „Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen.“ Der Kernsatz des Schreibens lautet: „Wir regen an, zu überlegen, dass in die Vergütungssysteme der Vorstände selbst Obergrenzen integriert oder in anderer Weise sogenannte Caps in die Vorstandsverträge aufgenommen werden, wobei Höhe und Angemessenheit natürlich im Ermessen der Aufsichtsräte liegen müssen.“

Der Vorstoß bedeutet einen Tabubruch, denn eine Deckelung von Spitzengehältern galt bislang als illegitimer Eingriff in das marktwirtschaftliche Gefüge. Müller und Gentz sind sich der Brisanz bewusst. Deshalb betonen beide, sie verstünden sich „weder als Instrument der Politik“, noch handelten sie in „vorauseilendem Gehorsam“. Aber: „Es steht zu befürchten, dass ansonsten Politiker schon aus populistischem Impuls an gesetzgeberische Maßnahmen denken“, schreiben sie.

Der Brief erreichte die Handelsblatt-Redaktion kurz vor dem Wochenende. Daher war es bis zum Redaktionsschluss schwer auszumachen, ob er unter den Aufsichtsratsvorsitzenden mehrheitlich auf Zustimmung oder auf Ablehnung stößt. Zumindest Deutschlands Multi-Aufsichtsrat Schneider hat seine Entscheidung getroffen. Er unterstützt die Initiative: „Mir geht es darum, zu verhindern, dass wir schon wieder Regeln von der Politik vorgesetzt bekommen. Das sollten wir selbst lösen. Das ginge ganz einfach durch Einziehen von Grenzen“, so der Chefkontrolleur von Bayer, Linde und RWE.

Kommentare zu " Millionenvergütungen: Manager gegen Manager"

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  • Man sollte schon einmal fragen, wie kommen denn solche Bezüge in der Regel zu stande? In erster Linie doch wohl dadurch, dass oftmals Mitarbeiter entlassen und der Rest zu Dumpinglöhnen beschäftigt wird. Also durch Ausbeutung! Mir ist kein Fall bekannt, dass ein sog. Manager das 100 Fache und mehr eines Arbeitnehmers leistet. Um so höher die Ausschüttungen an die Akionäre sind, (nicht an die Mitarbeiter wohlbemerkt)um so bereitwilliger ist man auch bereit, die hohen Bezüge abzusegnen.

  • Und man beachte bitte, daß man aus Furcht vor gesetzlicher Einschränkung durch die Paaolitik handelt, d.h. nicht etwa ZUR EINSICHT gekommen ist. Zumindest war das die Argumentation, darum muß man schlußfolgern, daß es unter diesen Absahnern keinerlei moralische Verantwortlichkeit mehr gibt, von einem schlechten Gewissen ganz zu schweigen. Wenn dies also die Spitzen der Wirtschaft sind, dann hat man ein aussagekräftiges Bild von der Verkommenheit der sog. Elite in diesem Land.

  • "Ich find eine Vergütung gut in Beziehung zu den Durchschnittseinkommen der Bevölkerung [...]"

    Was kann der Manager A vom Unternehmen A1, welches er äusserst erfolgreich führt, denn dafür das die Durchschnittsbevölkerung ein geringes Einkommen hat und im Folgeschluss, wieso sollte er sein eigenes Einkommen danach richten?

    Es gibt bestimmt bessere Lösungsansätze, zB. am Durchschnittslohn-/gehalt der Mitarbeiter, der Anzahl der Mitarbeiter sowie an einigen Kennzahlen des Unternehmens sich zu orientieren.
    Also alles gleichzeitig meine ich damit ;-)

    Ist das Unternehmen dann erfolgreich und verdienen die Mitarbeiter mehr, darf auch der/die Manager mehr verdienen. Müssen die Arbeiter auf Geld verzichten muss es auch der Manager usw. usf.

    Aber das meiste Geld bekommen die Führungspersönlichkeiten doch eh über Aktienanteile und nicht als Festgehalt, oder irre ich?

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