Mission bei Volkswagen angetreten
Sanierer Wolfgang Bernhard hat seinen ersten Tag bei VW

Mit hohen Erwartungen hat Wolfgang Bernhard am Dienstag seinen neuen Job in der VW-Führungsspitze angetreten. Sein Auftrag: Als Chef der Marke Volkswagen soll der 44-Jährige die Kernmarke des Konzerns aus den roten Zahlen bringen. Schon jetzt gilt der frühere Daimler-Chrysler-Manager als neuer starker Mann bei dem Wolfsburger Autobauer.

HB WOLFSBURG. Schafft er die Wende, gilt Bernhard als Kronprinz des zwölf Jahre älteren Konzernchefs Bernd Pischetsrieder. Die Marke VW, zu der etwa Golf, Passat und Jetta, aber auch Skoda und Bugatti gehören, steckt in einer Krise: der Absatz weltweit stagniert, massive Probleme gibt es etwa wegen veralteter Modelle vor allem in den USA und China. In den ersten neun Monaten 2004 schrieb die Marke operativ einen Verlust von 47 Millionen Euro, nach einem Plus von 388 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Dazu kommen strukturelle Probleme: Bisher ist die Marke auch personell eng mit der Konzernebene verwoben. Bernhard, zunächst Vorstand ohne Geschäftsbereich, soll die Marke VW spätestens zum 1. Januar 2006 von Pischetsrieder übernehmen - faktisch führe er sie aber von seinem ersten Tag an, heißt es in Wolfsburg. Zu dem von Pischetsrieder bereits eingeleiteten Umbau des Konzerns gehört zentral eine „Entzerrung“ und „Konzentration“ auf die Marken - dies soll vor allem die Marke VW stärken. Das Ziel: klarere Verantwortlichkeiten und Strukturen. Bernhard, der als gelernter Wirtschaftsingenieur und Autonarr den Ruf eines hervorragenden Fachmannes hat, ist Pischetsrieders Mann für den Umbau. Das bedeutet: er soll eingefahrene Abläufe bei Volkswagen umkrempeln, Kosten senken, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und damit die Ertragswende der Marke schaffen.

Zweifel bleiben

Bernhards Ruf als Sanierer stammt vor allem aus seiner Zeit bei Chrysler. 2000 schickte ihn Daimler-Chrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp zusammen mit Dieter Zetsche zur Rettung von Chrysler in die USA - mit drastischen Folgen für die Beschäftigten. Als Mann fürs Tagesgeschäft strich Bernhard 26 000 Jobs, schloss etliche Werke, brachte aber auch etliche neue Modelle auf den Markt - Chrysler schaffte die Wende.

Ende April 2004 kam dann allerdings der Karriereknick: Bernhard sollte eigentlich neuer Mercedes-Chef werden, kurz zuvor aber entband ihn der Aufsichtsrat von diesem Posten. Bernhard hatte intern Mercedes als Sanierungsfall bezeichnet und damit sowohl die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat als auch Mercedes-Chef Jürgen Hubbert gegen sich aufgebracht - Bernhards Vorstands-Vertrag bei DaimlerChrysler wurde Ende Juli aufgelöst. Bei VW startet Bernhard unbelastet - auch Betriebsratschef Klaus Volkert hatte seinen Wechsel begrüßt. Es sei „allerhöchste Zeit“, dass ein Mann wie Bernhard „wirklich“ an die Strukturen bei VW herangehe.

Allerdings: es bleiben Zweifel, ob es Bernhard schafft, den nur schwer beweglichen Tanker VW mit seinen oft starren hierarchischen Strukturen umzukrempeln. „Auch Bernhard kann die Erde nicht zur Scheibe machen“, heißt es in Wolfsburg. Falls Bernhard aber Erfolg hat, stünden ihm bei Volkswagen alle Türen offen, meint ein VW-Insider: „Wenn er diesen Job schafft - ein besseres Ticket auf den Stuhl des Vorstandsvorsitzenden kann man nicht haben.“

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